Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 725
zgelangen müssen. Allein wie wäre das möglich gewesen für
einen Fürsten verhaßten Glaubens und für den Herrscher der
Macht, die den nordöstlichen Eckpfeiler des katholischen Systems
in Europa bildete? Eben im Gegensatz zu ihm und seinem
volnischen Königtum entwickelte der schwedische Protestantismus
erst recht seinen Kampfescharakter; und unter Verwerfung seiner
Erbrechte gelangte Karl IX., Gustav Adolfs Vater, zur Herr—⸗
schaft. Natürlich genug, daß Sigismund auch nach der Thron—
besteigung Gustav Adolfs seine Ansprüche auf Schweden nicht
aufgab, um so weniger, je aggressiver auch sonst sich die Politik
des jungen Königs gestaltete. Und so kam es zwischen Polen
und Schweden aus den verschiedensten Gründen bald zur
Feindschaft.

Und mehr. Als Gustav Adolf mit Polen in Kampf
zeriet und das siegesgewohnte Heer des weißen Adlers nach mehr
als zweihundertjährigen Erfolgen in unerwartet raschem Zuge
zu Paaren trieb, da bekam er alsbald den besonders engen
Zusammenhang Polens mit dem Hause Habsburg zu fühlen.
Er war althergebracht aus den gemeinsamen Kriegen gegen die
Türken; er war sichtbar verkörpert in der Verschwägerung
König Sigmunds und Kaiser Ferdinands; er fand seinen
Ausdruck in einem Hilfskorps von 10000 Mann, das der
kaiserliche Generalissimus Wallenstein den Polen zum Kampfe
zegen den Schwedenkönig zusandte. Und er begrenzte sich nicht
auf den deutschen Zweig der Casa d'Austria. Alsbald nach
dem Frieden von Lübeck, der die Ostsee deutsch-habsburgischem
Einflusse zu öffnen schien, war Spanien von neuem gegen die
Generalstaaten, die letzte protestantische Macht des deutschen
Westens, vorgegangen; jetzt suchte es gegenüber dem deutschen
protestantisch-holländischen Ostseehandel mit Polen anzuknüpfen;
Polen sollte die Endstation gleichsam seines Einflusses zu Meer
werden; so berührten sich die entlegensten Reiche des damaligen
Europas, das des Mauriskenherrschers und des Nordlandskönigs,
in den allgemeinen Gegensätzen.

Und wie verquickten sich diese Dinge erst, als Wallenstein
1 S. oben S. 676-77.