726 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
an der Ostsee endgültig Fuß gefaßt zu haben schien. Jetzt
war kein Zweifel mehr: die vom Hause Habsburg, dem kaiser⸗
lichen und dem katholischen, drohende Gefahr war für Gustav
Adolf größer, als die polnische: die baltische Obmacht, der
schwedische Protestantismus mußten auf deutschen Schlacht⸗
feldern errungen und verteidigt werden. Und trieb nicht ebendahin
das Mitgefühl für die Leiden der deutschen Glaubensgenossen?
Schon im Jahre 1615 hatte Gustav Adolf in den Kirchen
seines Landes Gott anrufen lassen um den Sieg der deutsch—
protestantischen Waffen; er hatte der protestantisch-deutschen
Union ein Bündnis angeboten; und er mochte ahnen, daß ein
Volk, wie das seine, das eine nationale Kunst erst seit dem
vorigen Jahrhundert entwickelt hat, im Grunde nur den Teil—
— D00
Vettern.

So bedachte er sich nicht, schon gegen Wallenstein
vorzugehen; für die erfolglose Belagerung Stralsunds im
Jahre 1628, die Wallenstein unter steter Abweisung jeden
hansischen Einspruchs begonnen hatte, ist schließlich schwedische
Unterstützung mit von ausschlaggebender Wirkung gewesen.

Aber ließ sich für Schweden ein polnischer und ein deutscher
Krieg zugleich führen? Gewiß konnte Gustav Adolf aus dem
eroberten Preußen, das der junge Axel Oxenstierna, der
spätere Reichskanzler, ausgezeichnet verwaltete, manche Geld—
summe, viel Proviant und auch Menschenmaterial ziehen. Im
ganzen aber überwogen doch die Schwierigkeiten eines doppelten
Krieges; Gustav Adolf begriff es und noch mehr seine ferner
stehenden und darum klarer sehenden Freunde. Zu diesen gehörte vor
allem Richelieu. Welche unvergleichliche Figur, dieser Schweden⸗
könig, auf dem Schachbrett der französischen, Habsburg feind—
lichen Politik! Wie konnte er, war er machtvoll und hand—
lungsfrei, von ungeahntem Winkel her zu einem „Schach dem
Kaiser“ herbeigezogen werden! So war es ein Meisterstück der
franzöfischen Politik, als sie im September 1629 einen sechs⸗
jährigen, Schweden günstigen Waffenstillstand zwischen Polen
und Schweden vermittelte.