Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 727
Am 26. Mai 1630 landete Gustav Adolf mit seinen ersten
Heerscharen in Usedom.

In Deutschland hatten viele nach ihm ausgesehen, gerufen
hatte ihn niemand. Mühselig, in Zügen und Kämpfen
kleinsten Umfangs und höchster Meisterschaft mußte er sich
gegen den Widerwillen des Herzogs Bogislaw von Pommern,
des Letzten seines Geschlechtes, Bahn brechen. Aber Ende des
Jahres 1630 saß er fest im Lande: die Grundlage künftiger
Siege war gewonnen.

Während er vom dunklen Drang seines Genies über die
Wasser geführt ward, hatte man in Wien über ihn mit billiger
Gutmütigkeit gewitzelt. Jetzt stand seine Macht wie Nordlicht—
schein drohend am Himmel; dunkle Prophezeiungen von einem
Löwen aus Mitternacht, der kommen werde, den Stand des
Reiches von Grund aus zu ändern, liefen von Lippe zu Lippe;
und ein schwedischer Sieg über die kaiserlichen Truppen des
Nordens bei Greifenhagen am Weihnachstage des Jahres 1630
erhellte mit jähem Strahl die bedrohte Lage des Kaisers und
des Katholizismus.

Inzwischen begannen die Herzen des protestantischen Volkes
dem kühnen Schwedenhelden entgegen zu schlagen. Siegesrasch
sollte er vordringen, jubelnd werde das evangelische Deutschland
ihm zu Füßen fallen.

Dies unblutige Vorwärts wurde von den protestantischen
Fürsten verhindert. Was half es, schlossen sich dem Könige
einige begeisterungsfähige Kleinfürsten an, vor allem der
—
von Hessen? Die für Gustav Adolf wichtigsten Fürsten
der unmittelbaren Nachbarschaft versagten. Der Branden—
burger Georg Wilhelm war eine indolente Natur, zudem der
Hauptsache nach in der Hand seines katholischen Ministers
Schwarzenberg. Johann Georg von Sachsen aber war
schlimmer; selbst für seine Zeit in auffallendem Maße dem
Trunke ergeben, machte er bei kleinen Anlagen große Ansprüche;
Anerkennung eines Dritten, nun gar Unterordnung unter ihn
waren Forderungen, die ihm in der Tiefe unüberwindlichen

Lamprecht, Deutsche Geschichte V. 2 *