728 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Mißtrauens verloren gingen. Keiner dieser Kurfürsten daher,
kein größerer Fürst des Nordens überhaupt schloß sich dem
Schweden an; er war der fremde Eindringling mit fremden
Zielen.

So hätte man wenigstens dem großen Kampfe zwischen
dem kaiserlichen Aar und dem schwedischen Zaunkönig gerüstet
zusehen sollen. Diese Notwendigkeit leuchtete Johann Georg
auch ein; auf einem Konvent zu Leipzig, seit Ende Februar
1631, suchte er die protestantischen Fürsten zu bewaffneter
Neutralität um sich zu sammeln. Indes nach langem Hin und
Her kam es nur zu kläglichen Entschlüssen.

Während die Fürsten zurückhielten, folgten die Städte
weit mehr dem nationalen Empfinden: noch waren sie die Ver—
treterinnen aller Blüte deutscher Bildung und deutscher
Gesittung. Freilich hatten sie in Norddeutschland von jeher
nicht so viel zu besagen, wie im Süden. Aber doch schloß sich
hier Magdeburg dem Schwedenkönig an und empfing schon im
Oktober 1630 in dem Marschall Dietrich von Falkenberg einen
schwedischen Kommandanten: ein weit vorgestrecktes Außenwerk
augenblicklichen schwedischen Besitzes, ein Stützpunkt künftiger
Eroberungen schaute es nach Westen.

Vor allem aber waren die deutschen Städte, schon vielfach
ausgesaugt, zudem längst in wirtschaftlichem Verfalle be—
griffen, nicht in der Lage, den Schwedenkönig mit dem zu
unterstützen, dessen er am meisten bedurfte und das sein Land
ihm am wenigsten liefern konnte: mit Geld.

Da griff wiederum Frankreich ein. Nach längeren Ver—
handlungen kam es zwischen Richelieu und Gustav Adolf im
Januar 1631 zu dem Vertrage von Bärwalde, in dem sich
Frankreich gegenüber Schweden auf fünf Jahre zur Zahlung
von je 400 000 Thalern jährlicher Subsidien verpflichtete, falls
Gustav Adolf den Kaiser fürderhin angreife. Damit waren
Ziel und Mittel des Krieges klar gegeben, und klar ging
Gustav Adolf nunmehr vor.

Er sicherte sich Pommern und Mecklenburg in jedem
Sinne, wohl im Hinblick schon auf dauernden Besitz; er drang