730 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Truppen der Liga, rückte nur langsam in das mittlere Deutsch—
land ein. Nach einer Konferenz mit Johann Georg zu Halle,
die dem sächsischen Heere Schlesien als Operationsfeld zuwies,
zog er über Erfurt und den Thüringerwald hinab in die
reichen Bistuͤmer des Mains, nahm Würzburg, ließ sich von
den Ständen des fränkischen Kreises vorläufig als Landesherr
huldigen und bezog im Dezember Winterquartiere in Mainz.
Es waren fast märchenhafte Ereignisse: die Kinder des
Nordens labten sich an den edlen Feuerweinen des Rhein—
gaus; in der Residenz des katholischen Primas Germaniae
hielt der protestantische Schneekönig kaiserlich Hof, und prunkend
zog bei ihm der Besiegte des Weißen Berges ein, seine Rück—
kehr in die Pfälzer Erblande zu erhoffen.

Aber Gustav Adolf war nicht willens, träge auf Lorbeeren
zu ruhen. Nach erfolglosen Friedensverhandlungen mit der
Liga zog er mit dem ersten Lenze des Jahres 1682 wieder ins
Feld. Und eben der Liga, Bayern vor allem galt es. Mitte
März brach der König von Höchst auf; unter tausend Jubel—
rufen hielt er am 31. März seinen Einzug in Nürnberg; dann
schlug er am Zusammenfluß von Donau und Lech den greisen
Tilly, Bayerns letzte Zuflucht; und während Tilly, tödlich
verwundet, in Ingolstadt dem Tode entgegenkrankte, drang
er nach Augsburg und von dort Mitte Mai siegreich, doch
mild nach der bayrischen Hauptstadt. Wehrlos gemacht, zer—
sprengt war die Liga; es konnte sich nur noch um den Kaiser
handeln.

Aber auch der Kaiser war längst schon eigner Not ver—
fallen. Während Gustav Adolf nach Westen gezogen war,
hatte sich das sächsische Heer unter dem tüchtigen und zuver—
lässigen Marschall von Arnim nach Schlesien in Bewegung
gesetzt; darnach war es in Böhmen eingerückt und stand seit
dem 15. November 1531 in Prag. In Wien mußte man vor
dem gleichzeitigen Eindringen feindlicher Scharen von Böhmen
und Bayern her zittern.

In dieser Not, und früher schon, ehe sie allbewältigend
eintrat, hatte der Kaiser seine Zuflucht zu dem Verlassenen von