Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 738
Truppen Pappenheims; der Abfall Johann Georgs lag im
Bereiche des Möglichen.

Gustav Adolf konnte die Lage nicht mißverstehen: er, der
leitende Geist bisher in allem strategischen Hin und Her der
mitteleuropäischen Heere, sah sich genötigt, den Spuren eines
anderen zu folgen; am 14. Oktober brach er nach Norden auf.
Und nun, am 16. November 1632, trafen sich die Heere der
furchtbarsten Helden dieses furchtbaren Krieges bei Lützen. Was
half es, daß die Schweden nach dem erbittertsten Kampfe die
Walstatt behaupteten? Ihr großer König war gefallen;
trauernd senkten sich die blaugoldnen Fahnen — „Verzage nicht,
du Häuflein klein“ sang man in Thränen, denn die Zukunft
des Krieges hieß Wallenstein.

V.

Nach dem Tode Gustav Adolfs erwartete alle Welt eine
tarke Anderung der politischen und militärischen Lage. War
es möglich, daß die einzigartige Rolle des königlichen Gefallenen
auch nur auf diplomatischem Gebiete fortgespielt wurde? Der
König hatte kurz vor seinem Ende, in Vorahnung unbestimmten
Unheils, seinen Kanzler Oxenstierna zum Vollstrecker seines
Willens ernannt, und in der That übernahm Oxenstierna die
Leitung der deutschen Angelegenheiten, während in Schweden
zur Stellvertretung Christinens, der unmündigen Tochter
Gustav Adolfs, eine Regentschaft eingesetzt wurde.

Schon diese Anordnungen verhinderten, daß die schwedische
Politik in Deutschland noch weiter mit dem bisherigen Nach—
druck auftreten konnte, trotz aller Klarsicht und Geschicklichkeit
des schwedischen Kanzlers. Murrend hatten sich bisher weitere Kreise
der deutschen Fürstenwelt gefügt; es war vorauszusehen, daß
sie jetzt Selbständigkeit suchen würden. Mit Befremden, schließ—
lich mit geheimer Furcht hatte Richelieu den unerhörten Sieges—
marsch des Königs zum Rhein und zur Donau verfolgt; das
war mehr als Frankreich gewünscht hatte: würde er nicht die
dem französischen Herrscherhause gebührende Beute einiger