734 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
rheinischen Länder ins Ungewisse stellen? Jetzt moderten die
Gebeine des Königs, und die Stunde war da, das Übergewicht
der Goten in Deutschland zu brechen.

Als Oxenstierna den deutschen Protestanten vorschlug, sich
unter schwedischer Kriegsleitung zu einigen, fand er überall
Bedenken. Mit den oberdeutschen Protestanten brachte er gleich—
wohl schließlich den Vertrag von Heilbronn (März 1638) zu
stande, der Schweden die militärische Fuhrung überließ, wenn
auch unter Beigabe eines Bundesrates, in dem neben sieben
deutschen Mitgliedern nur drei schwedische saßen. Aber
schwieriger gestalteten sich die Verhandlungen mit Kursachsen
und dem Kursachsen im wesentlichen folgenden Brandenburg.
Eifersüchtig wünschte Johann Georg auf alle Fälle seine
Truppen selbständig zu behalten; das Äußerste, wofür man
bei ihm auf Entgegenkommen zu rechnen hatte, war die Bildung
eines zweiten, sächsisch-mitteldeutschen Kriegstheaters, auf
dem man mit dem schwedischen Centrum im deutschen Süden
und Südwesten parallel zu wirken habe.

Unter diesen Umständen mußte die kaiserliche Politik auf
den nun schon so oft versuchten Gedanken zurückkommen, durch
einen einseitigen Frieden mit Sachsen (und Brandenburg) die
Operationsbasis der Schweden zu untergraben. In dieser
Richtung kam es im März 1633 zu Leitmeritz zwischen dem
Kaiser und Kursachsen zu Verhandlungen, von deren Abschluß
im kommenden Sommer die Herstellung des Friedens erwartet
wurde.

Die Frage dabei war nur, wie sich Wallenstein zu diesen
Verhandlungen stellen würde.

Wallenstein, der sich in seinem Berichte an den Kaiser
prahlend eines vollen Sieges bei Lützen gerühmt hatte, war
gleichwohl in die kaiserlichen Erblande zurückgegangen, mit ihm
sein der Erholung und Ergänzung bedürftiges Heer. Aber
bald wieder, während er im Friedländer Hof zu Prag königlich
Hof hielt, war er gänzlich aktionsfähig, denn das Unglaublichste,
Wunderbarste traute die Nation ihm zu, und jung und alt
drängte sich zu seinen siegreichen Fahnen.