736 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
hat Wallenstein auch gesondert mit Kursachsen verhandelt —
und zwar in der Richtung etwa der Bestrebungen des Wiener
Hofes, es von Schweden zu trennen! Nach einigen Prälimi—
narien in diesem Sinne ging er am 8. Mai 1633 von Prag
zur Armee ab und mit dieser gegen die sächsischen Truppen,
die unter Arnim bei Münsterberg in Schlesien lagen; seit An—
fang Juni stand man sich gegenüber. Und nunmehr kam es
zwischen den beiden Führern zu merkwürdiger persönlicher Aus—
sprache. Abgesehen von der Bewilligung eines Waffen—
stillstandes erklärte sich Wallenstein mit Arnim dahin einver—
tanden, daß das Restitutionsedikt aufgehoben werden solle; nur
wünschte er, wenn anders Arnim ihn recht verstand, als Normal-⸗
jahr für die Wiederherstellung der alten Besitzverhältnisse nicht
das Jahr 1622, wie die Wiener in ihren Verhandlungen den
Sachsen vorgeschlagen hatten, sondern vielmehr das Jahr 1618,
d. h. er versuchte die Vorteile einer solchen Abmachung unter Um—
—VD—
Gewiß ging das schon weit über die Meinung des Kaisers. Noch mehr
aber war das der Fall mit einer anderen Abmachung, die Wallen⸗
steins weitere Ziele in diesen Verhandlungen zu zeigen scheint.
Darnach sollten die Heere der beiden verhandelnden Führer
mit vereinten Kräften ihre Waffen „ohne Respect einiger Person
wider dieselben kehren, so sich unterfangen würden, den Statum
lmpeérii noch weiter zu turbieren und die Freiheit der Reli—
gion zu hemmen“.

Was hätte aus diesen Verhandlungen hervorgehen können,
wären ihre Ergebnisse so klar gewesen, daß sie die Zu—
stimmung Kursachsens und Kurbrandenburgs hätten finden
können! Allein während Kurfürst Georg Wilhelm allenfalls auf
sie eingehen wollte, wenn er sie auch zu „general beschaffen“ fand,
war man in Sachsen der Ansicht, man müsse noch warten und den
Generalissimus noch weiter erforschen. Zum erstenmal rächte
sich an Wallenstein das Lauernde, in den Zielen wie Beweg—
gründen Mystische einer Politik, die, niemandem treu, jeden zu
überlisten suchte; Ende Juni zerschlugen sich die Verhand—