Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 737
lungen; zurück blieb nur Mißtrauen auf allen Seiten, nicht
zum geringsten am kaiserlichen Hofe.

Inzwischen hatten die Protestanten gehandelt. Als das
schwedische Heer seinen großen Toten von den kampfdurch—
wühlten Fluren Lützens nach Weißenfels führte, da hatte es
in wahlloser Eingebung den jungen, zweiundzwanzigjährigen
Herzog Bernhard von Weimar zum Feldherrn erkoren. Es war
ein trefflicher Schritt. Ein kühner Denker in ideeenarmer Zeit,
ein Stratege von seltener Begabung, ein fürstlicher Führer von
selten versagendem Idealismus trat damit an die Spitze der
evangelischen Bewegung.

Bernhard sah alsbald, daß die Bedrängung Bayerns und
der Einfall in die österreichischen Länder von Bayern her jetzt
die notwendigsten Maßregeln seien; in kühnem Angriff war der
Krieg in den Bereich des Gegners zu tragen. Im März 1638
marschierte er von Bamberg über Nürnberg nach Süden; am
3. April vereinigte er sich zwischen Augsburg und Donau—
wörth mit dem General Horn, der noch von Gustav Adolf als
Beschützer Schwabens zurückgelassen war; bald darauf bedrängte
er, trotz ausbrechender Meutereien des Heeres, wie einerseits
Regensburg und Ingolstadt, so andererseits die Tiroler Alpen—
pässe und die teuer erkaufte Verbindung der Spanier von
Italien her mit den deutschen Ländern des Hauses Habsburg.
Und das alles zu einer Zeit, da Spanien auch sonst die lang
ersehnte Verbindungslinie zwischen der Schweiz und den Nieder—
landen den Rhein hinab fast gänzlich verloren zu gehen schien!

Das waren schwere Schläge und noch schlimmere Aus—
sichten für die Häuser Bayern und Österreich. Und Wallen—
stein stand unthätig in Schlesien und behauptete, eben durch
diese „Diversion“ werde er die Schweden von Bayern weglenken.
Die Opposition gegen den Generalissimus am Hofe stieg; neben
der päpstlichen Nuntiatur, neben Jesuiten und Beichtvätern
schürte der Kurfürst von Bayern: nach seiner Meinung war
Wallenstein, wenn nicht ein Bösewicht, so wenigstens ein elender
Dilettant in militärischen Dingen.