738 Sechzehntes Buch. vViertes Kapitel.
Und schon gesellte sich diesen Gegnern ein neuer, mächtigster
hinzu: Spanien. König Philipp, am Wiener Hofe durch den
energischen Gesandten Castaneda vertreten, hielt es unter den
bestehenden Umständen für gut, selbst zum Schutze der
spanischen Interessen in Deutschland beizutragen, und war
darum entschlossen, in dem spanischen Oberelsaß ein Heer von
24000 Mann unter seinem Mailänder Statthalter, dem Herzog
von Feria, aufzustellen und zu dessen Verstärkung das unter
dem General Aldringer stehende Korps des wallensteinischen
Heeres vom Kaiser zu erbitten.

Waren das Absichten, die, nach dem bestehenden Vertrags—
verhältnis zwischen dem Kaiser und Wallenstein, ohne Zu⸗
stimmung des Generalissimus verwirklicht werden konnten?
Wie dem auch sei: unter dem Drängen aller Feinde Wallen—
steins am Hofe gab der Kaiser seine Zustimmung dazu, daß
das spanische Heer aufgestellt ward, und befahl nach anfäng—
lichem Schwanken, daß diesem Heere das Korps Aldringers
zustoßen solle; am Oberrhein erschienen somit vereint spanisch—
wallensteinische Truppen und machten sich an den Entsatz der
von den Schweden hart bedränaten Festungen Konstanz und
Breisach.

Es waren Vorgänge, die nach Wallensteins Meinung dem
Reiche abträglich waren, denn jetzt würden die Franzosen un—
gestraft einfallen dürfen; die ferner seiner öfters geäußerten
Absicht, selbst an den Rhein zu ziehen, vorgriffen; die vor allem
ihm gegen sein vertragsmäßiges Verhältnis zum Kaiser zu
zehen schienen: von nun ab wollte er sich jeder rechtlichen Rück—
sicht auf den Kaiser entbunden sehn.

Während auf Befehl des Kaisers, der jetzt von den Spaniern
aufs äußerste gegen Wallenstein bearbeitet ward, der Präsident
des Wiener Hofkriegsrats, Graf Schlick, im Lager Wallensteins
erschien, um für alle Fälle schon die Stimmung der Generäle
gegen Wallenstein zu erkunden, begann der Generalissimus selbst
wieder neue Verhandlungen mit dem Feinde. Er ersuchte
Arnim, den uns schon bekannten sächsischen Befehlshaber der
kleinen Truppenmacht, die ihm noch immer gegenüberlag, um