742 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Der Generalissimus aber hatte inzwischen, zum drittenmal
binnen Jahresfrist, den Weg zu den Protestanten gefunden.
Und diesmal schien es ihm wirklich Ernst mit seinen Eröff—
nungen. In der ersten Hälfte des Januars überbrachte der
ihm besonders vertraute Oberst Schlieff dem Kurfürsten von
Sachsen die Grundzüge eines neuen, in sich abgeschlossenen Pro—
gramms, dessen Durchführung vielleicht zum Frieden geführt
haben würde. Aber nun zeigte sich, daß Sachsen nur mit dem
ausgesprochensten Mißtrauen und darum zögernd in die Ver—
handlungen eintrat, während Wallenstein der größten Eile be—
durfte. Mit banger Erwartung sah er in Pilsen jeder neuen
Botschaft entgegen; Arnim dagegen, Johann Georgs Ratgeber,
hielt es für richtig, sich erst mit Kurbrandenburg zu beraten,
und erst am 3. Februar reiste er nach Berlin.

Inzwischen war man in Wien vorwärts gegangen. Ein⸗
flußreiche Führer der wallensteinischen Truppen waren gewonnen
worden. Während der Kaiser mit seinem Generalissimus noch
in den alten Formen korrespondierte, war dieser durch eine ge—
heime Urkunde desselben Kaisers bereits am 24. Januar seines
Oberkommandos entsetzt worden; Gallas, Aldringer und Picco—
lomini waren mit der Durchführung der in ihr niedergelegten
Befehle betraut, und Aldringer hatte auf die Frage, wie man
diese Durchführung sich denke, von dem spanischen Gesandten
Oñate in kaiserlichem Auftrage die Antwort erhalten, man
solle sich der Person des Friedländers ohne Zögern lebend oder
tot bemächtigen.

Und immer noch hörte Wallenstein von Sachsen her nichts
Entscheidendes. Er lebte in der Ahnung höchster Gefahren. Er
suchte Zuflucht auch bei den Schweden. Am 19. Februar sandte
er an den Herzog Bernhard nach Regensburg: man solle ihm
ein größeres Reitercorps entgegensenden, bei Eger werde er sich
mit ihm vereinigen. Demgemäß brach er selbst am 21. Februar
nach Eger auf — es war der offene Schritt zur Lösung seines
Verhältnisses zum Kaiser.

Inzwischen war man auch in Wien von lichtscheuen zu
offenen Thaten gelangt. Ein kaiserliches Patent vom 18. Februar