744 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
26. Juli 1634 fiel die Stadt nach tapferster Verteidigung in
seine Gewalt. Darauf drang es in Süddeutschland unauf⸗
haltsam vor; seine Reiterscharen überschwemmten Franken, und
in Schwaben schlug es in der mörderischen Schlacht von Nörd—
lingen, am 6. September 1634, die verbündeten Truppen
Horns und Herzog Bernhards. Es war die Auflösung des
schwedischen Heeres in seinem alten Zusammenhang und der
Untergang der schwedischen Obmacht auf deutsch-protestantischem
Boden; schon sannen einzelne evangelische Stände auf Abfall.

Und längst bereits hatte der Kaiser sie nach wallen—
steinischem Konzept zu entzweien gesucht; alsbald nach der That
von Eger hatte er von neuem die Sonderverhandlungen mit
Sachsen aufgenommen. Nach dem Tage von Nördlingen erwies
sich Kurfürst Johann Georg fügsamer, als man erwarten konnte.
In dem Präliminarfrieden von Pirna vom 24. November 1634,
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im wesentlichen bestätigt ward, erkannte der Kurfürst an, daß
es außer gewissen fürstlichen Besatzungs- und Verteidigungs—
truppen im Reiche von Rechts wegen nur eine Armee gäbe, die
des Kaisers; und er versprach, diese Armee im Kampfe gegen
Schweden und gegebenenfalls auch gegen Frankreich zu
unterstützen. Er verzichtete außerdem, gegen das Linsengericht
einer vierzigiährigen Aufhebung des Restitutionsedikts für
Kursachsen, auf die Betonung aller weiteren evangelischen
Rechte. Dafür erhielt er den kärglichen Lohn einer Abtretung
der beiden Lausitzen, die er schon seit 1618 in Besitz hatte,
und der Einverleibung von vier Ämtern des Erzbistums
Magdeburg.

Es war ein volles Abrücken von Schweden, dem dieser
Friede den Zusammenhang zwischen Mitteldeutschland und
Skandinavien zu verschließen begann, und es war ein Abfall
von der evangelischen Sache. Und der sächsische Kurfürst
blieb nicht allein. Ihm folgten binnen Jahresfrist der Kurfürst
von Brandenburg, Frankfurt am Main, der Herzog Wilhelm
von Weimar, die Herzöge von Mecklenburg, der Herzog Georg
oon Braunschweig-Lüneburg, ja der ganze niedersächsische Kreis;