746 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
ihm festgehaltene Politik bis zu dem Augenblick, da es schien,
als könne Gustav Adolf, der Gotenkönig, wie ihn Richelieu zu
nennen pflegte, eine Herrschaft in Deutschland errichten, deren
Bereich sich bis zur französischen Grenze erstreckte.

Von da ab hatte Richelieu zwar auch noch nicht offen
in den Kampf eingegriffen, aber er hatte die Eifersucht der
süddeutschen Protestanten gegen die Schweden geschürt, um sie
gegebenenfalls gegen die ungestüme Größe des nordischen
Helden ausspielen zu können. Und gleichzeitig hatte er
begonnen, die französischen Grenzen im Osten dadurch zu sichern,
daß er sie vorschob. Im Herbst 1682 wurde Nancy erobert
und damit die alte, längst zweifelhaft gewordene Stellung des
Herzogtums Lothringen zum Reiche! thatsächlich aufgehoben:
von nun ab gehörte das Land zu Frankreich. Darüber hinaus
wurde ein festes Verhältnis zum Kurfürsten von Trier herge—
stellt; schon im Mai 1682 räumte dieser den Franzosen die
Besetzung des Ehrenbreitsteins ein. Es war eine Politik, die
von Richelieu nach dem Tode Gustav Adolfs um so mehr
fortgesetzt ward, als nun Spanien erneute Anstrengungen
machte, im Osten Frankreichs Fuß zu fassen; wir kennen die
Thätigkeit des Herzogs von Feria und der zu ihm gestoßenen
wallensteinischen Truppen am Oberrhein?. Dem gegenüber
nisteten sich die Franzosen im Winter 1633 auf 1634 im Elsaß
ein, schlossen im April 1634 einen Vertrag mit der niederländischen
Republik, wonach sich die Generalstaaten verpflichteten, gegen
jährliche Hilfsgelder von einer Million Livres den Krieg gegen
Spanien fortzuführen, und setzten sich immer mehr in dem
Lande des Kurfürsten von Trier fest, um den Spaniern auf
alle Weise den Weg nach den Niederlanden zu verlegen.

Es war fast selbstverständlich, daß das Vorrücken der
französischen Macht die oberdeutschen Protestanten immer mehr
in die Arme Richelieus treiben mußte. Hatte der französische

S. oben S. 670.
S. oben S. 7388.