748 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.

Gebiete von Frankreich gewährleistet, während Schweden seiner—
seits sich zur Aufrechterhaltung der katholischen Religion in
den Gebieten verstand, die sie seit 1618 noch besaßen. Die
ersten Grundlagen künftiger Friedensverhandlungen wurden
damit gelegt. Einstweilen aber drohte nun zur selben Zeit, da der
Kaiser durch den Prager Frieden die Anfänge eines vollen
Sieges und zukünftiger Ruhe in den Händen zu haben glaubte,
eine schlimmere Kriegsfurie als je; nicht um einen, um zwei
ständige große Kriegsschauplätze handelte es sich von jetzt ab, um den
oberdeutsch-französischen und um den norddeutsch-schwedischen.

Großartig, wie die diplomatischen Vorbereitungen seines
festeren Auftretens gegen Spanien und sterreich gewesen waren,
begann Richelieu auch den Krieg. Vier Heere wurden für die
Feldzüge des Jahres 1635 aufgestellt, eines gegen die spanischen
Niederlande, eines gegen Italien, ein drittes zur Besetzung der
Veltliner Pässe und Durchschneidung der spanischen Zusammen—
hänge zwischen Italien und den Niederlanden, das vierte end—
lich gegen den Oberrhein; dieses sollte unter der Führung des
Marschalls La Force von Lothringen aus gemeinsam mit dem
Feldherrn des schwedisch-oberdeutschen Bundes, dem Herzog
Bernhard von Weimar, vorgehen. Allein bei Beginn des Feld—
zuges in den deutsch-französischen Grenzlanden zeigte sich bald,
mit wieviel Recht Richelieu gezaudert hatte, in den offenen
Kampf auf dem deutschen Kriegsschauplatze einzutreten. Die
Blüte des französischen Adels, die sich in dem Heere La Forces
befand, wollte weder jetzt noch später von einem Feldzug in
die deutschen Gegenden, wohl gar über den Rhein hinaus etwas
wissen; nur zur Verteidigung der französischen Grenze war sie
bereit. Unter diesen Umständen vermochte auch der feurige
Bernhard von Weimar nicht vorwärts zu kommen; er mußte
es mit ansehen, daß im Laufe des Frühsommers kaiserliche
Heere von Breisach bis nach Boppard hinab den Rhein über—
schritten. Und auch als er etwas willigere französische Ver—
stärkungen unter dem Kardinal La Valette erhielt, gelang es
ihm doch nur mit Mühe, die Franzosen bis Mainz und zeit—