752 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
die Festung Breisach geschützt. Breisach befand sich seit längerer
Zeit in kaiserlichem Besitz; es mußte erobert werden, sollte der
Krieg gegen die Kaiserlichen mit Erfolg aus dem Oberrhein—
thal weiter nach Osten, nach Schwaben, übertragen werden.
Herzog Bernhard wandte sich nach der Einnahme Rheinfeldens
alsbald gegen Breisach, und nun wurde die Stadt der Preis, um
den durch ein ganzes Feldzugsjahr hindurch der Herzog und die
kaiserlichen Heere, die von Süd- und Mitteldeutschland herzu—
eilten, blutig rangen; der Sieg aber heftete sich schließlich an
die Fahnen Bernhards. Am 17. Dezember, nach unerhört
zäher Verteidigung, öffnete Breisach dem Herzog die Thore.

Es war ein Erfolg, dessen Ruhm weit durch das protestantische
Deutschland hinhallte, und dessen bloße Erwartung schon für das
schwedisch-nordische Kriegstheater zu einer Wandlung der Scene
geführt hatte. Mit dem Augenblick, da sich die Truppen des
Kaisers zum Entsatze Breisachs zu eilen gezwungen sahen, wurde
Banoͤr in seinen Bewegungen wieder frei und erging sich in
Vorstößen, die ihn nicht bloß nach Mitteldeutschland, sondern
noch mehr in die kaiserlichen Erblande, nach Böhmen und
Schlesien, führten. Und was fast noch bedeutsamer war: die
leitenden Generäle der beiden Kriegstheater erkannten jetzt mehr
als bisher die nicht zu vermeidenden Wechselwirkungen ihrer
Operationen; sie waren bereit, sich für die Zukunft gegenseitig
zu verständigen: eine große Zeit gemeinsamer Aktion stand
bevor. In diesem Augenblick, auf der Höhe seines Ruhmes,
die glücklichste Aussicht auf große Thaten vor sich, ist Herzog
Bernhard von Weimar gestorben, den 18. Juli 1689.

Mit dem Tode Bernhards erlischt das letzte größere Inter—
esse, das die Nachwelt an dem ewigen Durcheinander der Kämpfe
des dreißigjährigen Krieges zu nehmen geneigt sein wird. Denn
bis zu einem gewissen Grade ist das Wort wahr, das der große
Dichter der wallensteinischen Tragödie über diese Zeiten gesprochen
hat: daß erst im Kriege der Mann etwas wert sei. In der Auflösung
alles Bestehenden, wie sie die nie endenden Kämpfe der dreißig Jahre
brachten, traten die ursprünglichen Beziehungen der Menschen, wie
sie sonst nur barbarischen Zeitaltern angehören, wieder hervor; keine