754 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
hatte; wer sie an sich fesselte, dem schien der Sieg in den
Kämpfen gegen die deutschen Habsburger zu winken. Richelieu
brachte sie an Frankreich und mit ihr alle Errungenschaften
der letzten Siege Bernhards, mit ihr auch den Gedanken engsten
Austausches der Feldzugspläne zwischen den Feldherren des
französischen und schwedischen Kriegsschauplatzes: im April 1640
vereinigte sich sogar bei Saalfeld im Thüringischen die ehe—
malige Armee Bernhards, jetzt unter dem französischen Marschall
Guébriant, mit den schwedischen Truppen Banoͤrs.

Gleichwohl zeigte sich auch in der Folgezeit noch, trotz
des Aufwachsens so tüchtiger Feldherren wie Turennes auf
französischer Seite, daß der eigentliche kriegerische Entscheid
bei den kampfgewohnten deutschen Truppen unter schwedischer
Führung lag. Als Banoͤr, nach einem überraschenden und
beinahe gelungenen Überfalle des Kaisers und des deutschen
Reichstags in Regensburg, an den Folgen schwerer Aus—
schweifungen gestorben war, übernahm hier der ideenreiche
Torstenson das Kommando. Er schulte die kräftigen, aber
verwilderten Banden aufs neue, er drang mit ihnen siegreich
von der Niederelbe nach Schlesien vor; er schlug die Kaiser—
lichen bei Leipzig und überwand durch militärische Erfolge die Krisis,
in die die schwedische Politik durch den zeitweiligen feindseligen
Eintritt Dänemarks in den Krieg geworfen ward; er schlug
die kaiserlichen Heere unter Gallas von neuem bei Magdeburg
und Jüterbogk, er folgte ihren Trümmern mit schneller Kraft
bis nach Böhmen und schlug dort ein letztes kaiserliches Heer
bei Jankowitz, nachdem er schon früher mit Georg Rakoczy,
dem Fürsten Siebenbürgens, gegen den Kaiser in Verbindung
getreten war: im Frühjahr 1645 schien es, als ob das Schick—
sal des Hauses Ästerreich besiegelt sei.

Aber die Franzosen hatten den Schweden nicht mit gleicher
Kraft sekundiert. Zwar hatte Guébriant noch am 2. Januar 1642
die Kaiserlichen bei Kempen am Niederrhein besiegt, aber seit—
dem wandte sich namentlich auf dem südwestdeutschen Kriegs—
schauplatze das Glück auf die Seite des Hauses Habsburg, zumal
dieses hier von den Bayern aufs beste unterstützt wurde. Im Mai