756 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Ende Juli nahmen sie die Kleinseite von Prag und bereiteten
die Beschießung der Prager Altstadt vor — wehrlos lagen die
kaiserlichen Erblande vor ihnen, eine fette Beute. Da konnte
man auch in Wien nicht mehr leugnen, daß man besiegt sei;
und so fanden unter dem Eindruck der letzten kriegerischen Er—
eignisse die längst eingeleiteten Friedensverhandlungen nunmehr
den lang ersehnten Abschluß.

VII.

Am 22. Dezember 1636, am Schlusse einer Periode hohen
Aufschwungs der kaiserlichen Waffen, war es Ferdinand II. ge—
lungen, die Kurfürsten zur Wahl seines Sohnes Ferdinand zum
römischen König zu bewegen. Bald darauf, am 13. Februar
1637, ist er gestorben, zu einer Zeit, da das Ende des grau⸗
samen Krieges noch unabsehbar schien. Und war er nicht ge⸗
neigt gewesen, leichten Kaufs den Gegnern zu weichen und
Frieden zu geben, so war es sein Nachfolger, Ferdinand III.,
noch weniger. Er stellte sich in seiner Reichspolitik fest auf die
Grundlage des Prager Friedens als die von allen Reichsständen
anzunehmende Vorbedingung einer allgemeinen Pacifikation;
und sehr bald war zu spüren, daß er außerdem für eine all—
gemeine Friedensverhandlung tiefere Teilnahme einstweilen nur
zeigen werde, wenn zugleich die spanische Linie seines Hauses
mit günstigen Abschlüssen aus dieser hervorging. Konnte nun
eine solche Haltung durch die Ereignisse der nächsten Jahre
nach der Thronbesteigung Ferdinands III. erschüttert werden?
Was auch die protestantische Sache bis zum Jahre 16838 ge—
wonnen hatte, es wurde wett gemacht durch den Tod Bern—
hards von Weimar. Und darnach bedurfte es längerer Zeit,
bis zum erstenmal die neugefestete französisch-schwedische Koalition
militärisch so entschieden zur Geltung kam, daß sich der Kaiser
der Beachtung ihrer Erfolge nicht mehr gänzlich entziehen konnte.

Das geschah im Jahre 1640. Freilich war auch jetzt der
Kaiser noch nicht eigentlich gesonnen, von sich aus und im Ge—