Union und Liga, dreißigjähriger Krieg, westfälischer Friede. 757
fühl persönlichen Dranges Wege des Friedens zu wandeln,
vielmehr ward er dazu erst mittelbar, durch den Druck der
deutschen Reichsstände veranlaßt. Sehr begreiflich. Die kaiser—
lichen Erblande, wenigstens in dem weitaus bedeutendsten süd—
ostlichen Komplex, fühlten die Last des Krieges am wenigsten;
in furchtbarer Weise dagegen unterlagen ihr die teilweis völlig
wehrlosen Stände fast aller anderen Teile des Reiches. Ihre
Länder bildeten fast ohne Unterbrechung ein zusammenhängendes
Kriegstheater; sie erschienen sich vielfach mit Recht als die
Opfer der kaiserlichen und der französisch-schwedischen Politik.
An wen sollten sie sich nun in dieser Not wenden, wenn nicht
an Kaiser und Reich? Gewiß, das Reich war dermalen fast
zu einem leeren staatsrechtlichen Begriffe oder höchstens zu einem
losen Haufen in Widerspruch befindlicher staatsrechtlicher Be—
ziehungen geworden; deutlich hat es der schwedische Diplomat
Chemnitz im Jahre 1640 in einer Aufsehen erregenden Schrift
in diesem Sinne geschildert. Aber ließ sich aus seinen Trümmern
heraus nicht an einen, wenn auch nur notdürftigen Friedens—
aufbau denken? Oder, wenn dies nicht mehr möglich war,
war es dann nicht besser, mit den Resten einer mittelalterlichen
Verfassung aufzuräumen, die den Menschen und Zeiten nicht
mehr gewachsen war? Eben dies schlug Chemnitz vor; an
Stelle der monströsen Staatsbildung sollte ein in den Be—
ziehungen seiner Mitglieder untereinander klarer Staatenbund
treten: es war eine Idee, der vom monarchischen Standpunkte
aus schon Karl V. einmal nachgegangen war, die aber jetzt von
den Radikalen vertreten ward, während die meisten Reichsstände,
konservativ gesinnt, soweit als möglich eine Rekonstruktion er—
strebten.
Wie aber auch die Reichsstände im Einzelnen dachten: Unzu—
friedenheit mit dem Bestehenden, Drang nach Ordnung und Friede
herrschten überall. Und der Kaiser konnte sich dieser Stimmung
nicht mehr entziehen, wollte er nicht den radikalen Strömungen
die Thore öffnen; darum fügte er sich einer von den Reichsständen
ausgehenden dringlichen Aufforderung und berief zum Jahre 1640
einen Reichstag nach Regensburg. Es ist der Tag, von dessen