758 Sechzehntes Buch. Viertes RKapitel.
vorübergehender Störung durch den Anmarsch eines schwedischen
Heeres unter Banoͤr die Rede gewesen ist!.

Erkannte nun aber der Kaiser nicht damit den alten Be—
stand der Reichsverfassung an, trotz seiner bisherigen Stellung—
nahme zum Prager Frieden? Er versuchte es, nur die Teil—
nehmer dieses Friedens zum Reichstag einzuberufen. Indes
als Gesandte auch anderer protestantischer Reichsstände ein—
trafen, wagte er nicht, sie zurückweisen zu lassen; es war ein
erster Triumph der ständischen, der deutschen Sache. Und
—DD
Er mußte, wenn auch nicht in der von den Protestanten ge—
forderten und von vielen Katholiken befürworteten Ausdehnung,
eine allgemeine Amnestie zugestehen; er mußte ferner anerkennen,
daß bei den künftigen Friedensverhandlungen nicht er allein für
Katholiken und Protestanten zugleich das Reich vertreten könne,
sondern daß vielmehr, eine notwendige Folge der konfessionellen
Spaltung, auch die Stände zu den Verhandlungen zuzulassen
seien; und er konnte endlich nicht umhin, in Verbindung mit
dem Reichstag die ersten Beschlüsse zu einer allgemeinen Friedens⸗
handlung zu fassen: in Münster und Osnabrück sollte ein
Friedenskongreß zusammentreten und diesem ein Reichsdepu—⸗
kationstag zu Frankfurt am Main zur Seite gehen.

In der That traten, wenn auch erst nach endlosen Weiterungen
und unter langsamstem Eintreffen der zur Verhandlung zugelassenen
Mitglieder, Deputationstag und Friedenskongreß im Jahre 1648
zusammen. Dabei verhandelten das Reich, die katholischen
Stände und Frankreich in Münster, während in Osnabrück die
evangelischen Stände, die Schweden und nach Bedarf auch der
Kaiser durch seine aus Münster herzueilenden Räte vertreten
waren.

Indes wäre es eine gründliche Täuschung gewesen, hätte
man nun etwa angenommen, es könne in glatten Verhandlungen
rasch das ersehnte Ziel des Friedens erreicht werden. Schon
die Thatsache, daß die Verhandlungen intenfiver erst im Jahre

S. oben S. 754.