760 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
und Boden zu befriedigenden Ansprüchen, wenigstens für die
ihnen zuzusprechenden Territorien zu Gliedern des Reiches ge—
macht wurden. Und würden sich die auswärtigen Mächte mit
dem Empfang einer solchen Entschädigung in Land und Leuten
zufrieden stellen lassen? Hatten sie nicht ein Interesse daran, auch
die innerdeutschen Verhältnisse ganz allgemein in ihrem Sinne
mit geordnet zu sehen? Waren wenigstens Dänemark und
Schweden nicht auch für konfessionelle Fragen mit in den Krieg
gezogen?

Indem die fremden Mächte aus diesen Gründen von der neuen
Ordnung der deutschen, vaterländischen Dinge nicht fern ge—
halten werden konnten, brachten sie indessen für deren Einzel—
heiten nicht alle das gleiche Interesse mit. Sehen wir von dem
minder beteiligten Dänemark ab, so trat Schweden natürlich
für den Protestantismus ein. Frankreich andererseits hatte
katholische Interessen. Es war ein Glück für die Auseinander—
setzung im deutschen Sinne, daß dem so war. Denn wären
die beiden größten auswärtigen Mächte in allen Fragen zum
Schaden Deutschlands einig gewesen, es wäre ein ganz
anderer, noch viel unglücklicherer Ausgang der Friedensver—
handlungen unvermeidlich geworden.

Und diese für die deutschen Geschicke nach allem, was
geschehen war, nicht ganz ungünstige Lage wurde noch durch ein
weiteres Moment gebessert. Die erwähnten Gegensätze zwischen
Frankreich und Schweden kamen wiederum nicht ganz rein zum
Ausdruck. Frankreich war wohl den Katholiken sympathisch, aber
es wünschte keine starke Machterhöhung des katholischen habs—
burgischen Kaisers, und darum nahm es sich gelegentlich auch
protestantischer Forderungen gegen diesen an. Schweden aber
war zwar protestantisch gesinnt, indes, wo es darauf ankant,
der deutschen Centralgewalt Abbruch zu thun, konnte es auch
den Katholiken entgegenkommen. Man sieht: günstig war diese
Trübung der ausgesprochenen Gegensätze in der Haltung der großen
auswärtigen Mächte dem Ziele eines friedlichen Beieinanders der
Konfessionen im Reiche, ungünstig war sie dem Kaisertum. Ein
solches Ergebnis der beiderseits bestimmenden Momente aber