762 Sechzehntes Buch. Viertes Kapitel.
Die Abtretungen an Frankreich hatten neben dem Reiche vor
allem das Haus Habsburg getroffen, denn ihm gehörte der größte
Teil des Elsasses, ja das Elsaß war die Krone der vorderösterreich⸗
ischen Besitzungen. Dies Verhältnis hatte zwar zur Folge, daß die
Abtretungen an die Franzosen keine weitere Besitzverschiebung
in Süddeutschland nach sich zogen; zugleich aber ergab sich
doch aus ihm eine wesentliche Anderung in den politischen
Interessen der süddeutschen Reichsglieder. Konnte sterreich
jetzt, nachdem es den wertvollsten Teil seiner westlichen Be—
sitzungen verloren hatte, noch mit demselben Anteil wie bisher
sich dem Schutze der Westgrenze des Reiches widmen? Die
erste Stufe einer verhängnisvollen Entwicklung, in der ster—
reich allmählich auf die bloße Beachtung südostdeutscher
Interessen zurückgedrängt wurde, war erreicht.

Andererseits führten die Veränderungen, welche die Ent—
schädigung Schwedens im Nordosten hervorrief, zu einer
wichtigen Ausgestaltung der jungen nordostdeutschen Macht, der
Mark Brandenburg.

Schweden erhielt im Verhältnis zu Frankreich nur geringe
Entschädigungen, Vorpommern mit Rügen, von Hinterpommern
Stettin, Garz, Damm, Golnau und die Insel Wollin mit dem
frischen Haff, in Mecklenburg Wismar und endlich an der
Nordsee die Bistümer Bremen und Verden. Für alle diese
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wie Dänemark sie für Holstein besaß. Es war eine Ausstattung
mit deutschem Besitze, die die Entwicklung eines vollen
Dominium maris baltici durch die Krone Schweden verhindern
sollte und verhindert hat.

Nun hatte aber Brandenburg wohlbegründete Rechte auf
die pommerschen Lande geltend machen können, während
Wismar zu den mecklenburgischen Ländern gehört hatte. Für
beide deutschen Mächte mußte daher nach dem Muster, das
man schon mit der Säkularisation Bremens und Verdens zu
Gunsten Schwedens gegeben hatte, eine Entschädigung in geist—
lichem Besitz gesucht werden. Mecklenburg erhielt in diesem Sinne