10 Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel. eine ganz andere Kenntnis der Erde zu vermitteln begonnen hatten. Gewiß hatte der Kompaß schon seit dem 15. Jahr— hundert den Schiffen unbekannte Wege über die Meereswüsten der Vergangenheit gebahnt, und wesentliche Verbesserungen im Schiffbau hatten Mut gemacht, sie zu betreten. Aber doch erst jetzt war die Welt wirklich entdeckt; und erschien das Errungene auch anfangs selbst für die größte Machtentfaltung unzugäng— lich und unbeherrschbar, so gestattete doch die Erfindung des Schießpulvers und des Feuerrohrs bald, auch diese Weiten zu meistern. Nichts galt darum einer zweiten Generation von Entdeckern und Eroberern bald mehr als unerreichbar, und unglaublich wuchs auch in Deutschland der Drang, sich in aller Ferne umzuschauen: „Mijn hart denct anders niet nacht ende dach, dan om vremde lande te besien“, schrieb Lin— schoten 1384 aus Goa an seine Eltern im stillen Enkhuizen. Und Wunderdinge wurden daheim erzählt in ungelenker, aber reizwoller Sprache von abenteuerlicher Seefahrt und fremden Sitten, und selbst elastische Grenzen eines entgegenkommenden heimatlichen Verständnisses wurden anfangs durchbrochen, bis man sich, unter gewaltigster Erweiterung des alten Horizonts, in dieser fremden Welt zurechtzufinden begann. Da folgten dann, zumeist erst im 17. Jahrhundert, die Zeiten ruhigen und ernsteren Verständnisses der neuen Erscheinungen, und die wissenschaftliche Durchdringung der Fremde brach an. So ging, den tausend Abenteurern, Kriegsknechten, Kaufleuten aus Zem inneren Deutschland des 16. Jahrhunderts folgend, Wilhelm Piso mit dem Grafen Johann Moriz von Nassau als Arzt nach Brasilien und schrieb in Gemeinschaft mit einem anderen deutfchen Landsmann, Marckgraff, ein treffliches Buch über Klima, Naturgeschichte und Krankheiten des Landes Aistoria naturalis Brasiliae, 1648). So verfaßte der Gou⸗ berneur van Rheede van Drakestein ein großes Werk über die Flora seiner Statthalterei, den „Garten von Malabar“, 1678. So war der Westfale Engelbert Kämpfer (1651- 1716) in dieser Zeit der Autor der einzigen Geographie und Natur⸗— geschichte Japans, die sich neben den Werken der Jesuiten sehen