Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel. in diesen Gegenden nur sehr wenig herrschend und einigend einzugreifen pflegte; und vollends war eine unterschiedliche Ent— wicklung seiner Teile im 16. Jahrhundert, seit den nordnieder— ländischen Kämpfen gegen Spanien und ihren Ergebnissen ein— getreten. So war im friesischen Gebiete des Küstenlandes eine einheitliche Entwicklung nicht zu erhoffen: alle Gunst der Lage fiel hier vielmehr nur einem, dem geschichtlich ungleich regeren und auch geographisch bevorzugten nordniederländischen Teile zu. Im niedersächsischen Küstenlande aber kam es ebensowenig zu einer einheitlichen Entwicklung. Im 16. Jahrhundert lagen diese Gegenden der eben erst beginnenden atlantischen Be— wegung noch zu fern; im 17. Jahrhundert gingen Bremen und Verden an Schweden über, um dann 1719 an Hannover zu fallen, an jenes Haupthinterland, das seit 1713 von englischen Königen beherrscht ward. Wie hätte sich da eine freie Initiative zur Teilnahme an den Sorgen und Vorteilen einer selbständigen deutschen atlantischen Stellung ausbilden sollen? So blieb in Niedersachsen nur Hamburg für eine solche Aufgabe übrig; und tapfer hat es sich in dieser Hinsicht in dem engbegrenzten Rahmen dessen bewegt, was einer einzigen Stadt zu leisten ver⸗ gönnt war. Seit dem 16. Jahrhundert ist die Stadt in lang— samem Aufschwung, der anfangs des 17. Jahrhunderts noch einmal durch Glückstadt, einen vom Dänenkönig Christian IV. um 1616 als Rival begründeten Platz, bestritten wird: aber dieser Zwischenfall hält die Stadt nicht auf; nachdem eine erneute Be— arbeitung und kodifizierende Vermehrung des Stadtrechts von 1497 in den Jahren 1603 —1608 die sichere innere Entwicklung eingeleitet hat, die noch heute fast ohne Unterbrechung fort— währt, erblüht sie rasch nicht bloß zur Handelsmetropole des unteren Elbgebietes, sondern zur geistigen und kommerziellen Metropole auch fast des gesamten skandinavischen Nordens: vor allem das damals fast halbdeutsche Dänemark wird von ihm beeinflußt. So geht Hamburg schon aus den Nöten des Dreißigjährigen Krieges mit reichen Hoffnungen hervor, eine Welt für sich, in der nach den Worten des Balthasar Schuppius