Wandlung des Seelenlebens vom 16. zum 18. Jahrhundert. 15 „die Einwohner in guter Ruhe und Sicherheit saßen, wie die Kinder Israel im Lande Gosen, als der Herr ganz Ägypten mit allerlei Plagen schlug“. Und so waren es um die Mitte des 17. Jahrhunderts schließlich die Niederlande und Hamburg, die, abweichend von den Schicksalen des übrigen Deuts chlands, dem Einfluß einer be⸗ sonderen, die großen geldwirts chaftlichen Traditionen des 15. Jahr⸗ hunderts fast unmittelbar fortsetzenden Entwicklung unterstanden. Es ist das Motiv gewesen, das uns die Niederlande schließlich völlig entfremdet und das dem Hamburg des 18. Jahrhunderts enen besonderen Charakter gegeben hat, dessen Spuren noch jeute andauern. Während aber Hamburg erst seit der Mitte des 17. Jahr⸗ hunderts auf die Höhe der Vorteile atlantischen Küstengebietes zu gelangen begann, so daß deren geistige Folgen erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und im 18. Jahrhundert in einer blühenden Oper, einer emporstrebenden Malerei und einer weitverzweigten Literatur zum Ausdruck gelangten, haben die Niederlande die Wohltaten ihrer besonderen Stellung schon im 16. Jahrhundert teils infolge besonderer Gunst der Lage, teils als Ergebnis ihres gewaltigen religiös-politischen Eman— zipationskampfes genossen; in der ersten Hälfte des 17. Jahr⸗ hunderts stehen sie auf der Höhe ihrer Kultur, und schon die Neige dieses Jahrhunderts bringt den Rückgang. Die niederländische Kultur bedeutet damit seit etwa 1580 über die Zeit von drei Menschenaltern hinaus die Höhe der deutschen Kultur überhaupt; und sie weist in dieser Zeit mehr als einen Zusammenhang von Erscheinungen auf, der alle Er⸗ rungenschaften des Binnenlandes überragt. Sie nimmt daher in der deutschen Geschichte dieser Zeit eine Stellung ein, welche die Sonderkultur kaum irgend eines deutschen Gebietes zu irgend einer Zeit sonst gehabt hat; sie ist fast schlechthin führend. Und so bedarf es, um die binnen-deutsche Kultur dieser Zeit zu verstehen, einer intimen Kenntnis der nieder⸗ ländischen Entwicklung. Wir suchen sie im folgenden, im An⸗ schluß an die früher gegebene politische Geschichte der Nieder—