24 Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel. war zum wichtigsten Handelsstaate Europas geworden; kein Meer, wo ihre Flagge nicht wehte. Und in strenger Be— schränkung auf die Mittel, aus denen sie geboren war, hielt sich diese Macht aufrecht. Zwar haben es die Nordniederländer hier und da auch zur wirklichen Kolonisation fremder Küsten ge— bracht; so in Guyana oder Surinam, so vor allem in Neu— Niederland, wo Neu-Amsterdam, das heutige New NYork, schon um 1664 etwa 10 000 Einwohner zählte. Aber diese Kolonien sind verloren gegangen; wahrhaft fruchtbar hat sich dagegen das niederländische Genie des 17. Jahrhunderts in der Kulti— vation und in Niederlassungen des Handels erwiesen. Batavia hatte schon um 1680 ganz den Charakter einer holländischen Stadt, nur war die Lebensweise reicher und üppiger; und die Gouverneure der Molukken oder Ceylons fühlten sich als Vor— stände einzelner Handelsdepartements der Kompanie wohl auch unter dem Lichte des südlichen Kreuzes. Für die Heimat ergab sich aus dieser Expansion ohne— gleichen eine völlige Revolution des gesellschaftlichen, poli— tischen und seelischen Lebens. Vor allem, als eins der sichtbarsten Zeichen dieser Revolution, gestalteten sich die Vor— stellungen vom Raume in stärkster Weise und mit weit größerer Intensität und Schnelligkeit als im binnenländischen Deutsch— land zu ganz neuen Formen um. Wie anders doch sahen diese Niederländer in die Welt als ihre Vorfahren! Für sie war die Erweiterung des Erfahrungshorizonts, wie sie die Ent— deckungen des 15. und 16. Jahrhunderts der europäischen Welt beschert hatten, durchaus unmittelbar und greifbar; und mit hellstem Blicke erschlossen sie die in ihr gegebenen Möglichkeiten eines höheren kulturellen und politischen Daseins. Damit wuchsen sie dann hinweg auch über die höchsten damals schon erreichten Kulturformen des inneren Deutschlands. Was be— sagte jetzt die alte Wohlhabenheit Hamburgs oder Lübecks gegen die Reichtüumer Amsterdams! Nichts schien den ungeheuren Mitteln dieses neuen Volkes unerreichbar; noch im 18. Jahr—