Wandlung des Seelenlebens vom 16. zum 18. Jahrhundert. 41 drängte der Handelscharakter der Republik hier auf bundes— taatliche Einheitlichkeit; und in der Tat wurde ohne Ende davon geredet, wie es möglich sein könne, sie für alle Provinzen „eenenpaerlicken op eenen voet“ zu bringen. Aber der ein⸗ heitliche Fuß hat sich niemals eingestellt. Ein bezeichnender Vorgang: hier wie in allen Fällen wurde schließlich das Interesse der Gesamtheit durch mindestens gleich starke partikulare Interessen gegengewogen. Wie war dies nun möglich? Die politische Lage beruhte nicht allein auf der Konkurrenz der allgemeinen und der pro⸗ vinzialen Landesinteressen. Gewiß hat der Gegensatz zwischen den binnenländischen Provinzen und den seebenachbarten, vor allem Holland, einen großen Teil der Geschichte der Republik beherrscht. Wichtiger aber als der provinziale Partikularismus im ganzen war noch der Einzelpartikularismus der Städte. Man muß dabei bedenken, daß in den Provinzialstaaten die Geistlichkeit nur noch in Utrecht eine äußerst beschränkte und der Adel nur noch in den übrigen Binnenlanden eine ziemlich zurücktretende, in den Staaten der Seeprovinzen dagegen fast gar keine Rolle spielte: in den Staaten Seelands gab es nur einen Edeln, in denen Hollands nur etwa acht bis zehn. So waren die Provinzialstaaten fast nur Ausdruck der Bestrebungen des Bürgertums und der großen Städte; mit Recht hat darum der Ratspensionär van den Spieghel einmal bemerkt: „Die Regierung der Union ist nur provinzial und die der Provinzen nur munizipal.“ Damit kam denn für die niederländische Entwicklung in ihrer Tiefe schließlich alles darauf an, wer in den Städten das Heft in den Händen hatte. Schon unmittelbar nach der Kon— stituierung der Republik und dem Tode Wilhelms von Oranien hatte sich das gezeigt: unter Leicester waren die Parteiungen in den Städten, das zeitweilige Überwiegen der Handelsaristo— kratie in den Seestädten, der Gemeinden in den Binnenstädten für das Schicksal der Republik entscheidend gewesen!. Hatte S. Bd. V2, 2, S. 595 ff.