Wandlung des Seelenlebens vom 16. zum 18. Jahrhundert. 51 messen und lebhafter Bewunderer jeder Art weiblicher Schön— heit bekannt war; Moriz, der einmal erklärt haben soll, er visse nicht, ob die Prädestination blau oder grüm aussehe! Die Absicht, in der der Prinz handelte, war gleichwohl klar. Gegenüber den Versuchen der arminianischen Vroed— schappen, das Staatsleben Hollands und damit womöglich das der ganzen Republik ausschließlich aristokratisch-humanistisch⸗ kommerziell zu gestalten, nahm der kluge Oranier, in seiner bolitischen Stellung über den Vroedschappen bedroht, seine Zu⸗ lucht zu den kontraremonstrantischen Massen des Volkes, und er fah sich damit, wenn auch unter etwas veränderten Um— ständen, in dieselbe Position gedrängt wie einst Lord Leicester. Aber der Ausgang war diesmal zunächst ein anderer. Seit dem außerordentlichen Aufschwung des Seehandels etwa bom Jahre 1600 ab war Holland in stärkster Weise in den Vordergrund des Seehandels der Republik getreten. Jedoch die uübrigen Provinzen waren einstweilen noch weit davon entfernt, sich dieser neuen Obmacht willig zu fugen. So konnte Oranien für seine Opposition, wie sie zunächst den Provinzialstaaten von Holland galt, bei geschickter Behandlung der Dinge auch sehr wohl noch die Zustimmung der Mehrheit der außer Holland in den Generalstaaten vertretenen Provinzen der Republik zu ge— winnen hoffen, wenn er sich gegen die neue Handelsaristokratie und deren religiös-philosophische Neigungen erklärte; und in diesem Sinne hat er gehandelt. Als er seinen ersten Kirchgang tat, hielt er sich hierfür der Billigung der Generalstaaten bereits gewiß. Demgegenüber waren die holländischen Staaten, an ihrer Spitze Oldenbarneveld, nun erst recht zum vollsten Durchgreifen bereit; denn es schien ihnen, als könne der Sieg der remon— strantischen und aristokratischen Prinzipien zugleich leichten Kaufes gewonnen werden. Am 4. August 1617 antworteten sie auf den Kirchgang Oraniens mit der „scharfen Revolution“, einer Maßregel, welche die Zuständigkeit der Gerichte für kirch— liche Klagen der Bürger gegen die Stadträte aufhob, vor allem aber die Truppen, die bisher unter Oranien standen.