Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel. errang der große Staatenadmiral Tromp den blutigen Sieg bei Duin, und sieben Jahre später fiel Dünkirchen, zur See von Tromp, zu Lande von Condé umschlossen. Der Friede des Jahres 1648 brachte damit der Republik, wessen nur sie zu ihrem äußeren Gedeihen bedurfte; sogar der Schluß der Schelde und damit die dauernde kommerzielle Ohnmacht der ge— fürchteten südlichen Niederlande wurden ihr bewilligt; ganz schien sie sich seitdem der Pflege ihrer großen Beziehungen in die Welt hinein und ihrer mächtig aufsteigenden Wohlfahrt im Innern hingeben zu können. Wir aber haben am Schlusse dieser längeren episo— dischen Ausführungen zu fragen, was denn das geistige Er— gebnis dieser Kämpfe gewesen ist. Und da ist die Antwort mit zwei Sätzen zu geben: eine außergewöhnliche geistige Frei— heit der oberen Schichten in den letzten zwei Jahrzehnten des 16. und in den ersten zwei Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts — eine Freiheit, wie sie sonst auf deutschem Boden während des individualistischen Zeitalters nirgends bestanden hat —, danach aber ein langsamer Verfall jener Höhezeit, die unter ausnahmsweise günstigen Verhältnissen erreicht worden war. Und dementsprechend ein unglaublich rasches Aufblühen der niederländischen Dichtung und Wissenschaft seit etwa 1580 und ein Abblühen dieser rein geistigen Betätigungen seit etwa 1630 —40, seit einer Zeit, jenseits deren noch, unter staatlich ind kirchlich schon wieder mehr gebundenen Verhältnissen, die holländifche Kunst unvergängliche Früchte gezeitigt hat. Welches aber war nun der intime Charakter jener Periode höchster geistiger Freiheit? War sie ganz christlicher An— schauungen bar? Bei Hugo Grotius hat man wohl be— obachtet, wie er sich Muhe gibt, das bürgerliche Recht in seinen allgemeinen Begriffen wie das Staatsrecht von jeder Beziehung zum Offenbarungsglauben zu lösen; allein, seine niederländischen Lehrbücher zeigen eine rein calvinische Auf— fassung der Geschichte, und wir haben von ihm eine ausführ⸗