58 Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel. Und wie lange sollte es noch dauern, bis diese Gruppen, in sich noch leidlich geschlossen, sich wiederum zu der überaus großen Zahl öffentlicher Körperschaften, dem so wechselnden Charakter des Daseins bei zahllosen Familien und dem außerordentlichen Unterschied der Individualitäten differenzierten, den wir heute lebendig sehen! Verfolgen wir von all diesen Bildungen zunächst die natürlichste, die Familie, in raschem Überblick ihrer Entwick— lung, so ist bekannt, daß sie noch lange in historischen Jahr— hunderten, noch bis in die frühesten Zeiten der Karolinger hinein, im höheren Bereiche des größeren Geschlechtes ver— harrte: in den Angelegenheiten vornehmlich allgemeinen Schutzes und höchster Selbständigkeit ihrer Mitglieder wie des noch un— geteilt in ihr von Menschenalter zu Menschenalter obligatorisch forterbenden Vermögens in letzter Instanz noch von diesem ab— hängig. Dann waren diese Herrschafts- und Aufsichtsfunktionen des Geschlechtes immer mehr dahingeschwunden; die Familie — D mehr mächtigsten Halt des Familiengeschicks, das Vermögen, und speziell den in dieser Zeit weitaus wichtigsten Teil dieses Vermögens, den Grundbesitz, die alte Ordnung der Dinge noch lange erhalten geblieben. Auch bei ursprünglich gleichem obligatorischenm Erbrecht fand noch immer, mindestens in der ersten Generation der Erben, keine Teilung des Grund⸗— besitzes statt: noch galt für die Familie in möglichst weitem Sinne die alte Hausgemeinschaft, die den einzelnen wirtschaft— lich auf eine kommunistisch-patriarchalische Grundlage, geistig auf ein uniformes, möalichst wenig differenziertes Seelenleben stellte. Es ist die Grundlage, die man auf dem platten Lande weit üüber die Zeiten einer ausgesprochenen Naturalwirtschaft hinaus, denen sie vor allem entsprach, durch besondere Einrichtungen des Rechtes, wenn auch mit stets abnehmendem Erfolge, zu wahren gesucht hat, und auf der der beständige Sinn unserer Bauern zum großen Teile noch heute beruht, insofern er noch über das konservativ-fromme Gefühl jedes Menschen, der in jedem Jahre