Wandlung des Seelenlebens vom 16. zum 18. Jahrhundert. 71 Seit 1628 begann dann, ein Zeichen schon des Auswuchses, der Harlemer Tulpenschwindel, bis die „Tulpomanie“ in den Jahren 1636 und 1637 ihren Höhepunkt erreichte. Um die— selbe Zeit waren schon die Wurzeln der neuen Volkswirtschaft theoretisch bloßgelegt — Salmasius schrieb 1638 sein Buch „De usuris“*, das ein vollständiges Verständnis vom Wesen des Unternehmerkapitals zeigt — und so konnte die klare Übersicht der wirtschaftlichen Lage von kapitalkräftigen Kennern über— mächtig ausgebeutet werden. In der zweiten Hälfte des Jahr— hunderts sind dann jene Verfallseigenschaften vollständig aus— gebildet, welche schlechte dritte Generationen des Kaufmanns-— standes zu charakterisieren pflegen: als zentraler Fehler der Eigennutz in jeder Gestalt, die „oeygensoeckenleikheydt“, wie man es in den Niederlanden mit einem neugebildeten Worte nannte, dieselbe Eigenschaft, welche die Zeit Luthers in Hin— sicht auf verwandte Erscheinungen der damals verlaufenden hürgerlichen Entwicklung Binnendeutschlands mit dem Aus— druck „Geiz“ bezeichnet hatte. Jetzt wurde jeder Erfolg als Unterpfand göttlichen Segens betrachtet, gleichgültig, welche Mittel ihn herbeigeführt hatten; reich galt als identisch mit zut: die Verfallsmoral und Verfallsreligion eines reinen Handelsvolkes zog ein. Unsauberkeit in Geldfragen und kauf— männischer Hochmut waren die Folgen. Von Hendrik Hooft, einem Sprossen der bekannten Amsterdamer Bürgerfamilie, heißt es, er habe „sich die Mühe gegeben, auf die Welt zu kommen“; und der französische Gesandte d'Estrades konnte be— richten, er kenne nur vier Personen im ganzen Niederland, die nicht mit Geld zu kaufen seien: die beiden Brüder de Witt und die Herren van Beuningen und Beverning. Natürlich war ein Bürgertum dieses Charakters auch un— kriegerisch. Aristokratische Republiken pflegen an sich das Leben der führenden Klasse nicht gern aufs Spiel zu setzen; die Venezianer haben schon seit 1143 ihre Kriege durch Miets— truppen geführt, und auch die Niederländer haben ihre Un— abhängigkeitsschlachten zum größten Teile mit Söldnern ge— schlagen. Aber jetzt wollte man von Krieg überhaupt nichts