72 Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel. mehr wissen; unter dem Beifall des Landes konnte Peter de la Cour erklären: Holland bedürfe vor allem des Friedens; die Republik müsse nach dem Beispiel der Katzen leben, die nur wütende Angreifer seien, wenn man sie nicht in Ruhe lasse, im übrigen aber ihre Jungen fürtrefflich nährten; das Wappen Hollands, der Wellen überschreitende Löwe, sei eigent⸗ lich auch gar kein Löwe, sondern eine Katze. Und diese An— sichten erlangten zu einer Zeit Geltung, da Holland sich gegen die wachsende Eifersucht der benachbarten Reiche atlantischen Charakters, Englands und Frankreichs, aufs stärkste hätte wappnen müssen. Dabei vernachlässigte man seit 1648 nicht bloß die Kriegs— und Seemacht, man baute auch den eigenen Staat nicht aus. Die Republik als Staatenbund war aus Verhältnissen hervor— gegangen, die denen des 14. und 15. Jahrhunderts im inneren Deutschland einigermaßen glichen, nur daß auf niederländischem Boden die Alternative: „Sieg der Fürsten oder der freien Städte“ im Sinne eines Sieges der freien Städte gelöst worden war: eine Reihe von Stadtstaaten war entstanden. Die Republik war nun anfangs nichts als ein Bund dieser Staaten, und so hätte sie sich bei glücklicher Entwicklung, um äußeren Angriffen erfolgreich widerstehen zu können, in der Richtung auf einen Einheitsstaat weiterbewegen müssen. Aber davon war jetzt kaum in irgend einem Sinne noch die Rede; ein berühmter niederländischer Historiker hat es aussprechen können, daß für seine Landsleute bis 1795 bei geringer Über— treibung der Satz gegolten habe, daß sie wohl eine Vaterstadt, nicht aber ein Vaterland besäßen!. Nun machte sich allerdings, während die Staatsverfassung unausgebaut blieb, wenigstens ein einziges allgemeines großes Interesse so sehr geltend, daß es die politische Lage vereinheit⸗ lichte und damit beherrschte: das des Handels. Allein auch abgesehen davon, daß das Schicksal der Hanse schon einmal auf deutschem Boden gezeigt hatte, wie ein Interesse dieser Art Fruin, Eene hollandsche stad, Bd. II, Vorrede.