Drittes Kapitel. Wissenschaft und Weltanschauung, Pandynamismus und Naiuralismus im 16. und 17. Jahrhundert. 1. Der Offenbarungsglaube des Christentums mit seinen Wundern hatte dem mittelalterlichen Denken völlig entsprochen; und darum hatte er auch eine allgemeine und gänzlich un⸗ bezweifelte Anerkennung gefunden, mochte man auch die ein⸗ fachen Erzählungen des Neuen Testaments anfangs mehr im Sinne der deutschen Epen des 6. bis 9. Jahrhunderts, später mehr in historisch geklärter Auffassung verstanden haben!. Dem entsprechend war denn auch der Oberbau der christlichen Offenbarungstradition, das System der kirchlichen Dogmen, nicht bloß im Sinne des Gehorsams gegen sie, sondern in dem gläubiger Einfalt hingenommen worden. Und auch am Schlusse des Mittelalters war man noch weit davon entfernt, diese geistige Disposition zu verlassen. Aber trotzdem strebte man doch allmählich nach einem Verständnis der Erscheinungswelt auch neben dem Kirchen⸗ glauben und außerhalb der in aller Fülle nur wenigen Geistern zugänglichen antiken Überlieferung: die ersten Triebe einer eigenen Gesamtauffassung des sinnlich wahrnehmbaren Ganzen unserer Umgebung regten sich. Sie traten ein zu der Zeit, da zum ersten Male die ästhetische Auffassungsgabe in dem 2Dieser und der folgende Abschnitt ist schon gedruckt in der „Zukunft“, herausgegeben von M. Harden. X. Jahraang (19038), S. 9-18 u. 57- 70. 8*