Wissenschaft u. Weltanschauung, Pandynamismus u. Naturalismus. 119 Menschen über sich hinaus zum Genossen der schaffenden Kräfte erheben könnten; und indem sie alles Werden von geistigen, durch sie beeinflußbaren Mächten durchweht dachten, ergaben sie sich im phantastischen Bewußtsein erkenntnistheoretischer Forschung den Künsten der Magie und der astrologischen Praxis. Die Heimat einer auf solche Grundlage gestellten Natur— wissenschaft ist zunächst Italien gewesen; und auf dem geistigen Boden dieser Naturwissenschaft sind hier die großen natur— philosophischen Systeme eines Telesio, Campanella, Giordano Bruno, Systeme einer vollen Metaphysik, erwachsen. Denn den Anhängern dieser Wissenschaft erschien in den Kräften der Natur von Anbeginn das geheimnisvolle Walten des Ab— soluten wahrnehmbar, und als tiefste Voraussetzung ihres Denkens ergab sich ihnen ein naturalistischer Pantheismus. Von Italien her ward aber die Lehre dann auch in Deutschland aufgenommen; eigenes Forschen, Wirkungen des mittelalterlichen und des täuferischen Mystizismus, Einflüsse des Neuplatonismus und auch der pythagoräischen Zahlenmystik, Anschauungen endlich der Kabbala verknupften sich da mit ihr in dem Denken Reuchlins (1455 bis 1522) wie Agrippas von Nettesheim (1487 bis 1585). In eine klarere Form aber brachte diese gärende Masse wohl erst Melanchthon, dieser große kompilatorische Beherrscher des Denkens seiner Zeit. Sein Lehrbuch der Physik, das sich im übrigen an Aristoteles an⸗ lehnt, schied doch die substantialen Formen des Stagiriten aus und behielt nur ein buntes Gewimmel von Kräften als Erklärungsgrund der Welt der Erscheinungen zurück: Gott; die Kräfte der Gestirne; die Gegensätze, die in den Elementen wirken; die Materie; die vegetativen, die animalischen, die ver— nünftigen Seelenkräfte. Und indem es der Notwendigkeit der Natur ein Reich der Freiheit in Gott und in allen guten und bösen Geistern, sowie des Regellosen im Fluß der Materie entgegensetzte, ließ es den Zufall unaufhörlich aus der Unruhe der Materie und der Freiheit des Geistes quillen und sich in tausend gesonderten Kräften auswirken!. 350 f. i phie ch d P ) ofo 2 G t d. er l V 9 rch. i h y. gl. Di e