130 Siebzehntes Buch. Drittes Kapitel. auf die Erweiterung der Phantasie als auf diejenige der Erfahrung. Und so kam das Ergebnis doch am Ende nicht pandynamistischen Anschauungen zugute, wie sie im Tiefsten noch auf der Zulassung des Begriffes des Wunders und damit wieder auf dem Vorherrschen einer Denkmethode ungenügender Analogieschlüsse beruhten, sondern vielmehr einer ganz anderen Auffassung der Welt. Je mehr jetzt, unter den verschieden⸗ artigsten Anregungen, die Erfahrung sich verdichtete und zu— gleich beschied, um so mehr erweiterte sich das Kausalitäts- bewußtsein: nicht mehr nach nur teilweis zutreffenden Analogien, Produkten oberflächlicher Beobachtung und unzureichender Er⸗ fahrung, sondern nach der Kenntnis möglichst ausgedehnter regelmäßiger Zusammenhänge von Ursache und Wirkung begann man die Welt der Erscheinungen zu ordnen. So wurde das Zeitalter einer pandynamistischen Naturbetrachtung abgelöst durch ein Zeitalter, das vermöge der Induktion und Abstraktion in den einfachsten Naturvorgängen vor allem einfachste Regelmäßig⸗ keiten und Gesetze aufzusuchen bestrebt war, in der Hoffnung, gerade in ihnen, gleichgültig welchen tiefsten hinter den Pforten der Natur stehenden Wirkungen sie verdankt oder nicht verdankt wurden, den Schlüssel zum Verständnis auch der größten Er⸗ scheinungen zu finden. Ein Kausalitätsbewußtsein, das kein Wunder mehr zuließ, begann, uranfänglich, unbeholfen noch und ahnungsvoll, das Kleinste und Größte unmittelbar zu ver— binden, und gab sich der frohen, durch die Tatsachen schließlich bestätigten Uberzeugung hin, daß es, indem es den Zusammen- hang eben des Gewöhnlichen erforsche, auch das bisher als ungewöhnlich Betrachtete zu erklären imstande sein würde. Das Zeitalter naturalistischer Naturforschung zog herauf. Vorläufer dieses Zeitalters lassen sich allerdings bis ins 13. Jahrhundert zurück verfolgen. In dieser Zeit hat schon der große Scholastiker Albertus Magnus im Kloster der Kölner Dominikauer seine botanischen Versuche gemacht, und neben ihm war der Engländer Roger Baco dem Gedanken voraussetzungs⸗ loser Naturwissenschaft nahegetreten. Bahnte dann Heinrich von Langenstein, ein Hesse, der seit 1383 in Wien wirkte, durch