144 Siebzehntes Buch. Drittes Kapitel. Chemie, deren Aufblühen dann späteren Zeiten die Möglichkeit gewährt hat, unter anderen Voraussetzungen in die Erforschung auch der biologischen Geheimnisse einzutreten. Die Mathematik aber hatte mit dieser außerordentlichen Befruchtung, die von ihr auf die Behandlung der philosophischen —RDD0 des 17. und 18. Jahrhunderts ausging, die stolzesten Aufgaben allgemeiner Art, die ihr zufallen konnten, erfüllt. Sie wurde seitdem langsam immer mehr zu einer Wissenschaft neben den anderen Wissenschaften und spielte außerdem eine besondere Rolle zunächst nur noch in dem Bereiche der Naturwissenschaft. Es geschah, indem sie ihre generellen Probleme immer mehr denen der allgemeinen Logik annäherte, und indem sie ihre Grundlagen erkenntnistheoretischer und psychologischer Bearbeitung unter— warf und sie in dieser schließlich als nicht in dem Sinne ab— solut erkannte, in dem sie die früheren Zeiten des Individua— lismus als absolut betrachtet hatten. Dabei begann diese zweite Bewegung schon früh. Während nämlich die speziellen mathematischen Studien ganz in der zu⸗ nächst von der Arithmetik her erfolgenden Ausbildung der Analysis aufgingen und darunter die Entwicklung der konstruk— tiven Methoden der Geometrie vernachlässigt wurde, begannen die Philosophen allmählich eingehendere Untersuchungen über den Begriff des Raumes. Und hier hielt man nun anfangs allerdings im ganzen noch an jenen Vorstellungen fest, aus denen Jeraus sich die Auffassung gebildet hatte, daß die Mathematik das Vorbild einer deduktiven Wissenschaft sei, weil in ihr alle elementaren Voraussetzungen absolut gegeben seien: sei es, daß diese Elemente, wie Punkt, Linie und begrenzter Raum, als angeborene, ja transzendente Bestandteile unseres Geistes, als eine mystische Ideenwelt hinter der entsprechenden Welt der Erscheinungen gedacht wurden, sei es, daß man sie als er— fahrungsmäßig durch willkürliche Annahmen entstanden, doch nunmehr konstant gewordene Abstraktionen, aus den Dingen der sinnlichen Welt entwickelt, betrachtete. So hat einerseits Descartes auf diesem Gebiete noch einen fast platonischen