248 Siebzehntes Buch. Viertes Kapitel. Dramen geschaffen; und weitaus die größere Zahl dieser Dramen trägt den Charakter der skizzenhaft hingeworfenen Posse. Bevorzugte aber Hans Sachs in seiner Blütezeit die Posse, so wurde er damit ebensosehr der Nürnberger Tradition gerecht wie dem inneren Entwicklungsbedürfnisse des deutschen Dramas: denn weit war dieses noch davon entfernt, sich jener intimeren Charakteristik der handelnden Personen zu nähern, die das Schauspiel verlangt. Hat doch Hans Sachs da, wo er im strengeren Sinne schuf, noch der Regel nach daran verzweifelt, auch nur die Handlung selbst im Verlaufe des Stückes ohne weitere Nachhilfe zu voller Klarheit zu bringen. Er behielt deshalb grade in solchen Fällen mit besonderer Vorliebe eine Ein— richtung bei, die seine Vorgänger Volz und Rosenplüt auch bei den Possen allgemein verwandt hatten: den Herold, der vor Beginn des Stückes den Gang der Handlung kurz einleitet oder wohl gar seinem ganzen Verlaufe nach vorweg angibt, der außerdem durch sein Auftreten vor dem Stücke die nötige Stille im Publikum schafft und nachher die Pflicht hat, die Moral der Fabel zu verkünden. In den Possen ist diese Person, die dem Dichter die Exposition, dem Regisseur den Theaterzettel und dem Bühnen⸗ inhaber die Polizei ersparte, von Hans Sachs gewöhnlich be— seitigt worden; man gewahrt den Fortschritt, daß ihre wesentlichen Funktionen einer der im Stücke auftretenden Personen in ver— kürzter Form überwiesen sind. Indes darf man sich durch solche Verbesserungen nicht über den allgemeinen Eindruck hin⸗ wegheben lassen, daß auch die Possen Sachsens — und schon das war gegenüber den unzusammenhängenden Unflätereien des 16. Jahrhunderts ein außerordentlicher Fortschritt — zunächst nichts anders sein wollen, als in besonders lebhafter Form vor⸗ getragene Erzählungen eines Schwankes. Demgemäß hat der Dichter nur eine Hauptsorge: den Fortschritt der Handlung. Ihn hurtig erscheinen zu lassen, ist der oberste Zweck des Dialogs; darum äußern die auftretenden Personen zunächst ohne weitere Begründung nur diejenigen Ansichten und Ab⸗ sichten, die dafür nötig erscheinen. Charakteristik also der