Wirtschaftliche und soziale Lage nach dem Dreißigjährigen Kriege. 343 Einwirkung weitverzweigter Arbeitsteilung und angespannter Arbeitstätigkeit für den einzelnen kein Bedürfnis mehr, sich kriegerisch auszuleben; und tritt Krieg ein, so werden seine Wirkungen bei der energischen Konzentration des Volks⸗ und Staatslebens alsbald im Innersten empfunden, und der ganze Volks⸗ und Staatskörper reagiert auf sie bis auf Leben und Tod, wie ein überaus fein gebauter Organismus, durch dessen peripherische Verletzungen die Zentralorgane sofort in Mit⸗ leidenschaft gezogen und in Bewegung gesetzt werden. Dem⸗ entsprechend besteht auf beiden Seiten, der des Angreifers wie der des Angegriffenen, das Bedürfnis, die letalen Streiche zwar sicher und rasch, zugleich aber, unter der Voraussetzung voller Gegenseitigkeit der beiderseitigen Behandlung, ohne unnötige Grausamkeit zu führen: und eine relative Vermenschlichung des an sich unvermeidlich brutalen Kampfes ist die Folge. In dem 16. und 17. Jahrhundert der deutschen wie der westeuropäischen Geschichte befinden wir uns nun weder auf den niedrigsten noch auf den höchsten Kulturstufen; und so be⸗ greift es sich, daß eine mittlere Art der Kriegführung die Regel war. Gewiß ist deren System nicht mehr so kindlich grausam wie im Mittelalter; man brennt nur in Ausnahme⸗ fällen die Saaten ab; man schlägt die Obstbäume nicht mehr nieder und entwurzelt nur selten noch den Weinstock. Aber noch weniger sind schon die Grundsätze der Kriegführung des 19. Jahrhunderts erreicht. Noch immer soll nicht bloß das feindliche Heer vernichtet werden, sondern auch das feindliche Land. Und was tut man nicht alles noch, um es „inutil“ zu machen! Da begnügt man sich nicht mit den lastendsten Kon⸗ ribationen; besonders in dem Falle, daß sie nicht gezahlt werden, folgt noch Brand und Plünderung als rechtmäßiges Zwangsmittel. Und fahren sie über das Land dahin, so wird weder göttliches noch menschliches Recht, weder privater noch zffentlicher Besitz geschont; und eine rohe, rasch zügellos werdende Soldateska vergreift sich an noch Höherem, an Leib und Ehre. Gewiß galt dies System schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts als unmenschlich, und Generale, die Ehre