344 FJ — Achtzehntes Buch. Erstes Kapitel. im Leibe und Disziplin in der Truppe hatten, haben es zu vermeiden gesucht. Aber sie waren durchaus in der Minder— zahl, und ihre Bestrebungen hatten wenig Erfolg. Und, noch weit über die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges hat das alte System fortgedauert; es sei nur an Melacs unmenschliche Ver— wüstung der Pfalz erinnert. Nun ist klar, daß bei einer solchen Kriegführung die Leiden auch nur eines Kriegsjahres ganz andere waren als heutzutage, von der Verwilderung in dreißig aufeinander folgenden Feldzugs⸗ zeiten noch gar nicht zu sprechen. Für den Dreißigiährigen Krieg aber kam hinzu, daß sie, in einem Zeitalter doch schon des Überganges vom Verwüstungskampf zum Armeenkampf, auch noch ganz anders empfunden wurden als früher: tausend und abertausend Zeugnisse in den zeitgenössischen Quellen lassen darüber keinen Zweifel. Indes sehen wir selbst von dieser subjektiven Seite ganz ab: auch objektive Tatsachen reden eine überaus harte Sprache. So zunächst der ganz sicher bezeugte starke Rückgang der Bevölkerung. Will man, was auf diesem Gebiete überliefert ist, richtig berstehen, so ist zu bedenken, daß ungewöhnliche Lebenslagen im 17. Jahrhundert noch eine äußerlich bei weitem weniger widerstandsfähige Bevölkerung trafen, als dies heute der Fall sein würde. Mit die am weitesten zurückgehenden sicheren Daten über die Lebensdauer haben sich für den dänischen Pfarrerstand erhalten. Danach stellte sich dessen Sterblichkeit in der Periode von 1800-1837 um 4090/0, in der Periode von 1750 — 1799 um 790/0 höher als in jüngeren Zeiten. Und zieht man noch frühere Perioden, für welche das Material allerdings weniger zuverlässig erscheint, in Betracht, so erhält man noch höhere Prozentsätze der Übersterblichkeit, nämlich für die Periode von 1700-1749 129 und für die Periode 1680 bis 1699 gar 207 vom Hundert. Schon aus diesem einen konkreten Beispiel erhellt, daß früher auch unter den glücklichsten Voraussetzungen die Bedingungen äußeren Lebensdaseins viel ungünstiger lagen als heute.