Die Entwicklung der souveränen Territorien bis ins 18. Jahrh. 443 3 — —1 h n J Im Jahre 1668 erschien von Becher der „Politische Discurs von den eigentlichen Ursachen des Auf- und Ab— nehmens der Städte, Länder und Republiken, in spécie wie ein Land volkreich und nahrhaft zu machen“ usw. Wie der Titel schon zeigt, waren hier die Probleme des Merkantilismus ganz allgemein angeschlagen; aber einen besonders hervor⸗ ragenden Platz nahmen in dem Buche doch Großhandels- und Kolonialpläne ein. Und das Vorbild in dieser Hinsicht gab, wie für so viele deutsche wirtschaftspolitische Maßregeln der Zeit, Holland. „Der Effect weist, daß in Deutschland beinahe kein Handel und Wandel mehr sei, alle Negotien darinnen zu Grund gehen, kein Geld bald mehr unter Großen noch Kleinen zu finden; hingegen sehe man Holland an, wie es reich ist und wie reicher es noch täglich wird, so nimmermehr geschehen würde, wenn es das Meer so fürchten thäte, als wie unsere hochdeutsche Nation.“ „Wohlan denn, tapfere Deutsche, machet, daß man in der Mappe neben Neuspanien, Neufrankreich, Neu— england auch ins künftige Neudeutschland finde; es fehlet euch so wenig an Verstand und Resolution, solche Sachen zu thun, Ils andern Nationen; ja ihr habt alles dieses, was dazu von nöthen ist; ihr seid Soldaten und Bauern, wachsam und arbeit⸗ sam, fleißig und unverdrossen.“ Gewiß waren alles dies klare und richtige Bemerkungen: allein Becher übersah, daß in Deutschland Kapital für ausländische und überseeische Unter— nehmungen nicht vorhanden war und ein großes staatliches Leben fehlte, welches das wagende Kapital hätte stützen können. Unter diesen Umständen konnten die von ihm und anderen an⸗ geregten Bestrebungen schließlich nur auf die Bezeichnung von großen Liebhabereien Anspruch machen. Es war eine Erfahrung, die man in Deutschland schon hor dem Auftreten Bechers an verschiedenen Stellen gemacht hatte. So hatte schon im Beginn der dreißiger Jahre des 17. Jahrhunderts, mitten unter den Wehen des Dreißigjährigen Krieges, der Hamburger Kaufmann Brüggemann dem Herzog Friedrich III. von Schleswig⸗Holstein einen Plan vorgelegt, durch geeignete Maßregeln den Seidenhandel mit Ostindien