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        <title>Neuere Zeit</title>
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            <surname>Lamprecht</surname>
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      <div>116 — Siebzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
realistischen Kontur wie in der lokalen Farbengebung und in der 
Perspektive der Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts der Außen⸗ 
welt als eines dreidimensionalen Ganzen innegeworden war 
war die äußere Anschauung gewonnen, so wurde nun der Ver— 
such gemacht, auch deren innere Beziehungen zu beherrschen. 
Es sind die ersten Anfänge wirklich selbständigen wissenschaft— 
lichen Denkens in weiteren Kreisen; und sie knüpfen noch an 
an die ausgebildeten Methoden des mittelalterlichen Denkens 
in Wunderglaube, Autoritätsgefühl und Analogieschluß!. 
Es ist klar, welche allgemeine Auffassung das Ergebnis so 
zusammentreffender Umstände sein mußte. Indem man zu jedem 
Vorgang der sinnlichen Erscheinungswelt eine Analogie im 
Sinne einer ihn deutenden Tatsache aufsuchte und dabei durch 
faft keinerlei Erfahrung gebunden war, deren Ausdehnung schon 
den Nachweis von Gesetzmäßigkeiten erfordert hätte, gelangte 
man zu der Vorstellung einer geistigen Welt als einer Analogie⸗ 
welt von Kräften, die hinter der sichtbaren Welt stehe und sie 
leite: ein grundsätzlicher Pandynamismus war die Folge. 
Sah man sich aber veranlaßt, nun diesen Pandynamismus 
in ein System zu bringen, die Kräfte zu benennen und in 
gegenseitigen Zusammenhang zu versetzen, die hinter den Kulissen 
gleichsam der Erscheinungswelt diese beherrschten, so war in 
der Entwicklung des späteren Mittelalters eine Menge von 
Tatsachen gegeben, die diesen Drang, abgesehen von den ihm 
selbst innewohnenden sachlichen Gesichtspunkten, in bestimmte 
Bahnen leiten konnten. 
Aus dem Eigensten der deutschen Entwicklung kam hier 
vor allem die Mystik in Betracht. War die enthusiastische 
Mystik des 14. Jahrhunderts zunächst darauf ausgegangen, 
in intellektueller Verzückung wenigstens zeitweise eine Ver— 
einigung der Seele mit Gott herbeizuführen, und sah man 
sich jetzt dazu gedrängt, hinter all den Kräften, die sich in der 
Welt der Erscheinungen auswirkten, im tiefsten Grunde eine 
diese Kräfte wieder umfassende und bewegende Urkraft an— 
S. dazu oben S. 86 ff.</div>
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