I0

Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel.
lande bis zum Jahre 16091, zunächst so weit zu erreichen, als
sie sich in dem Inhalt der bisher erzählten gemeindeutschen
Entwicklung, diesen freilich überholend, bewegt.

Großhandel und Seefahrt waren in der Höhezeit des
Mittelalters Sache wesentlich der südlichen Niederlande ge—
wesen?. Hier mußte sich schon als Folge der gewaltigen In—
dustrie Pperns, Gents und der brabantischen Städte ein reger
Verkehr ausbilden; dazu kam der Umschlag des Welthandels-
platzes Brügge. Die großen Zeiten des südniederländischen
Handels reichen noch in das 15. Jahrhundert hinein; und noch
in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erscheinen die Nord—
niederländer der Seeprovinzen fremden Beobachtern ärmlich
genug; ihre jungen Leute gehen einen Teil des Jahres zur
See und fahren, vielfach in anderer Völker Dienst, nach Deutsch—
land, Skandinavien oder Spanien, um im Herbste daheim den
Heringsfang zu treiben; und nur im Winter lebt man ver—
gnüglich. Es sind die Zeiten, in denen die Azoren noch immer
nach dem Handel der Südstaaten .De Vlaamsehe eilanden“
heißen.

Aber um diese Zeit begann sich doch schon der nordnieder—
ländische, der holländische und seeländische Eigenhandel mächtig zu
heben. Im Jahre 1532 erklärte der Haager Statthalter Karls V.
nach Brüssel: die Ostseefahrt sei den nördlichen Pryvinzen un—
entbehrlich; Ackerbau allein könne die Bevölkerung nicht mehr
ernähren. Man fahre zwar auch nach England, Frankreich,
Spanien, Portugal, allein lediglich, um Frachten für den
baltischen Verkehr zu holen. Und die Nord- und Ostseefahrt
ist denn in der Tat noch lange die wichtigste Reise der
Holländer geblieben; von hier holte man Getreide aus den

1S. Band V, 2, S. 544-607.

2 Dieser Abschnitt sowie die noch folgenden Episoden nordnieder—
ländischer Geschichte sind schon gedruckt in den Neuen Jahrbüchern f. d.
klass. Altertum, Geschichte u. deutsche Literatur u. f. Pädagogik, Jahr—
gang 1902, J. Abt., Bd. 9 S. 459 -483.