18 Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel.
im grünen Feld, der Flagge Moucherons, nach dem Senegal,
nach Kap Verde, Guinea, nach der Goldküste, nach Frankreich
und Spanien; außerdem handelte Moucheron noch nach Tripolis
und Amerika und legte den Grund zu den ersten Nordpol⸗
fahrten, zur Fahrt nach dem Weißen Meere und zu der
holländisch-russischen Verbindung nach Moskau, die später
Peter den Großen nach Zaandam geführt hat.

Diese Südniederländer aber brachten zur Übernahme kauf—
männischer Aufgaben, welche die damals bekannte Welt um—
spannten, nicht bloß Kapital mit, sondern noch mehr: einen
altererbten Wagemut; und gerade mit diesem haben sie die
Holländer befruchtet. Es war in ihrem Sinne, wenn später
ein niederländischer Kaufmann äußerte: „que si, pour gagnor
dans le commerce, il fallait passer par l'enfer, il hazar-
dexait de brüler ses voiles“. So versteht man es, wenn
Moucheron trotz seines Reichtums 1603 Bankerott machte, wenn
Usselincx als Bettler starb, während der eine Lemaire sich nach
einem Verluste von 1/s Millionen längere Zeit noch eben über
Wasser hielt.

Aber freilich: was ward mit diesem kühnen Einsetzen des
eigenen Daseins gewonnen! Noch bis 15085 war den Holländern
die Fahrt über die Meerenge von Gibraltar hinaus so gut wie
unbekannt gewesen; im Jahre 1649 aber erklärten die Direktoren
des Levantehandels: „Wenn wir das Mittelmeer nicht mehr
frei befahren dürfen ..., wo soll Haarlem seine Manufakturen
lassen, wo Leiden seine Tuche, wo die Seestädte den Hering?“

Und doch spielte um diese Zeit der Mittelmeerhandel nur
noch eine untergeordnete Rolle gegenüber den Welthandels—
beziehungen, die sich seit Ausgang des 16. Jahrhunderts ent⸗
wickelt hatten.

Die Anfänge in dieser Richtung waren klein; und eine
Anzahl von Ursachen mußte in ihren Wirkungen zusammen⸗
treffen, um der Entwicklung den Aufschwung der ersten Hälfte
des 17. Jahrhunderts zu geben. Schon seit etwa 1568 hatte, teil⸗

Lettreès d'Estrades J S. 28.