20 Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel.
begründet waren; sie wurden halbstaatliche Gebilde und ver⸗
mochten deshalb in den Ländern, mit denen sie ihre kommerzielle
Tätigkeit in Verbindung brachte, nach Bedürfnis auch erobernd,
staatsbildend, kurz, in der Ausübung der wichtigsten souveränen
Rechte aufzutreten.

Wie aber wäre die erfolgreiche Entwicklung solcher Kom⸗
panien denkbar gewesen ohne ständigen kriegerischen Schutz
seitens der Heimat? Nicht bloß Kauffahrer, auch Kriegsschiffe
zugleich bildeten die Flotten dieser Kompanien, und hinter ihnen
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geschwader der Republik. So verbanden sich überall in den
niederländischen ozeanischen Unternehmungen seit der Wende
des 16. und 17. Jahrhunderts, seit der ersten Flottenexpedition
des Admirals Hugo van der Does vom Jahre 1599, Handel
und Kriegstat, und die vielen holländischen Namen von Ort—
schaften und Ländern, die seit dieser Zeit allenthalben auf
unserem Planeten die große Zeit der Republik bezeugen, von
Spitzbergen bis Neuseeland, von Vandiemensland bis Mauritius,
verdanken ebensosehr der Entwicklung der Handelsbeziehungen
wie seemännischen Heldentaten ihr Dasein.

Dehnte sich aber die Republik so über alle Welt hin aus,
so bedurfte es für das Vorgehen ihrer Flotten auch europäischen
Schutzes. Als ein Eindringling erschien der junge Staat den
älteren Handelsvölkern und als ein Konkurrent bald auch dem
im ersten Flügelschlag sich regenden England'; wie waren ihre
Bewegungen vor deren Angriffen sicherzustellen? Es geschah
durch die stille Arbeit ihrer Gelehrten. Handel bedeutet Frieden;
und so ward ein enthusiastischer Verehrer des endlichen großen
Weltfriedens als des Zielpunktes aller menschlichen Entwicklung
zum glänzendsten patriotischen Verteidiger holländischer Freiheit
zur See. Im Jahre 1609 erschien Hugo Grotius' Mare li-
berum, und alsbald im Eingange dieses Werkes stellte der Ver—
fasser als unverbrüchliches Axiom hin, daß es kein ursprüng-—

Der englische Handel nach Ostindien betrug 1618 etwa ein Drittel
des holländischen; Lafpeyres S. 67.