Wandlung des Seelenlebens vom 16. zum i8. Jahrhundert. 21
licheres und unzweifelhafteres Fundament alles Völkerrechts
gebe als den Satz, daß der Handel der Völker miteinander
frei sei: „Deus hoc ipsum per naturam loquitur.“ Was
aber Grotius, Graewinkel und nach ihnen Hunderte von
holländischen Juristen als natürlichstes Recht verfochten, das
kam zu jener Zeit vor allem ihrem Vaterlande zugute.

Im Jahre 1602 bildete sich die erste große Handelsgesell—
schaft, die ostindische Handelskompanie, mit einem Kapital von
65 Tonnen Goldes (6e Mill. Gulden). Die Provinz Holland
zeichnete über 318 Millionen, Seeland fast 19/2 Million; etwa je
eine halbe Million übernahmen Enkhuizen und Delft, nicht ganz
300 000 Gulden Hoorn, nicht ganz 200 000 Rotterdam. Und
schon 1605 nahm Steven van der Haghen im Auftrage dieser
Gesellschaft den Portugiesen Amboina weg, nachdem er fünf
Jahre früher zum ersten Male vor den Inseln erschienen war.

Die Art, wie er Zugang fand, ist typisch für eine große
Reihe holländisch-ostindischer Vorgänge. Die Portugiesen hatten
die Einwohner bedrückt und mit Hilfe der Jesuiten zu bekehren
gesucht; gegen den Strich der einheimischen Entwicklung hatten
sie sie europäisiert und tyrannisiert. Demgegenüber erschienen
die Holländer als Befreier, man frohlockte ihnen zu, und man
begann sie zu achten, als man sah, daß sie, obwohl daheim
fromm, doch an fremder Küste nicht bekehren, sondern nur
handeln, ja, anscheinend kaum herrschen wollten. So gewann
die Kompanie Java, indem sie nach dem Divide et impera
der Römer die einheimischen Herrscher bald als Freunde, bald
als Feinde behandelte und die einen durch die anderen in Schach
hielt; waren trotzdem in den Jahren 1619 bis 1707 drei große
Kolonialkriege nicht zu vermeiden, so wurde das Land doch im
ganzen friedlich, durch Privilegien und Lieferungsverträge, an
die Interessen der Kompanie gefesselt. Etwas anders war der
Hergang bei der Eroberung der Molukken, der Halbinseln des
portugiesischen Besitzes und Ceylons. Hier hatten die Portu—
giesen nicht bloß Handelsniederlassungen, sondern auch Festungen
begründet; schwerer ward es darum, sie zu vertreiben; erst 1641
wurde Malakka genommen, und noch 1656 tobte der Kampf