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Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel.
um Colombo. Doch zeigte sich auch hier schließlich, daß die
holländischen Schiffe schneller waren, daß ihr Geschütz weiter
trug, und daß zähe Treue zur eignen Sache das südliche Feuer
der Romanen überwand: der Sieg gehörte der Republik.

Außerordentliche Vorteile aber erwuchsen dem Heimatlande
aus der Tätigkeit jener Tausende, die unter dem Befehle der
Gouverneure der Kompanie an den südlichen Küsten tätig waren.
Zwar von europäischer Ausfuhr in diese Gebiete war nicht die
Rede; eher fürchtete man die Überschwemmung des heimischen
Marktes mit orientalischen Waren. Um so wichtiger war der Ex⸗
port von Naturerzeugnissen nach Europa, vor allem von Gewürzen.
Dieser Handel wurde in den Händen der Kompanie mono—
polisiert und bis zu dem Grade zentralisiert, daß man auf den
Inseln unter Umständen Gewürzbäume ausrottete und Teile
allzu reicher Ernten verbrannte, nur um die Preise zu halten.
Und der Erfolg entsprach dem zähen Radikalismus des Gewinn—
machens. Man berechnete die Erzeugungskosten für das Pfund
Muskatnüsse und Muskatblumen auf 72 Cent; in Holland
verkaufte man das Pfund zu 3 Gulden 25 Cent, d. h. mit
rund 4500 9/0 Gewinn. Dem entsprach es, daß die Kompanie
trotz der außerordentlichen Kosten der Einrichtung und Eroberung
in der Zeit von 1602 bis 1648 durchschnittlich 200/0 an
Gewinn verteilte; in einzelnen Jahren ist die Dividende auf
750/0 gestiegen.

Und neben dem ostindisch-europäischen Handel betrieb die
Kompanie auch noch einen ostindisch-asiatischen; im Jahre 1624
hat sie zur Förderung ihrer chinesisch-japanischen Beziehungen
Formosa besetzt. Ja schließlich blieb auch Afrika ihren Be—
strebungen nicht fern. Im Jahre 1650 errichtete ein in Indien
erprobter Schiffsarzt der Kompanie, Jan van Riebeeck, eine
Station am Kap der guten Hoffnung; im Jahre 1672 ward
eine Festung dazu erbaut, und Simon van der Bel, ein in
Amsterdam erzogener Kreole aus Mauritius, erwarb während
seiner Statthalterschaft (1672 -1684) Natal und die Delagoabai.

Es waren Erfolge, die bald zur Anwendung der Handels—
form der Kompanie auch für andere Weltteile aufforderten.