Wandlung des Seelenlebens vom 16. zum 186. Jahrhundert. 31
thons „Loci theologiei“, Zwinglis Schrift „De vera ac
flen religiones und' die „Chriftliche Institution“ Calvins
gleichmäßig hervorgegangen: dreifach erfolgte in ihnen der
Ausbau eines neuen Glaubens in den Jahren 1521 bis 1535.
Freilich stand damit die Entwicklung nicht still. Es entsprach
einerseits der überall und namentlich im inneren Deutschland
—— individualistische Bewußtsein
noch wenig gefestigt war, wenn das Moment des Offenbarungs⸗
glaubens wiederum in steigender Betonung hervorgehoben wurde;
vor allem im Luthertume machte sich die Orthodoxie der zweiten
Hälfte des 16. Jahrhunderts immer mehr mit der Einordnung
der urkatholischen, von Luther nicht verworfenen Dogmen in
die protestantischen Uberzeugungsgrundsätze zu schaffen. Es
war im Grunde ein Lösungsversuch der Quadratur des
Zirkels; daher endloser Zank bei außerordentlichem Aufwand
dialektischer Schärfe. Das Ergebnis aber war schließlich der
Sieg der Orthodoxie in der Konkordienformel des Jahres 1580.
War das Luthertum, indem es diese Straße zog, dem
reorganisierten Katholizismus noch allzu fern? Es ist doch
wohl mit Recht betont worden!, daß die Reformation das
Papsttum aus der Gefahr gerettet hat, sei es von außen
her durch Fremde, sei es von innen her durch das Nepoten—
wesen säkularisiert zu werden. Die Kirche und damit der
Katholizismus waren durch die Reformation wieder eine geistige
Macht geworden; der erste äußerliche Merkstein in dieser Rich—
tung ist der Saceo di Roma (1527), der das heitere, grund—
verdorbene Rom Leos X. zerstörte; den Abschluß der Regene—
ration bildet das Konzil von Trient. Das Tridentinum
brachte die von der alten Kirche lange Zeit gescheute, vom
Protestantismus ihr endlich aufgedrängte Kodifikation der
katholischen Lehren zu einem gewissen Abschluß. Gewiß lief
dabei die Tendenz der kurialen Kreise auf eine vollkommene
Magisierung der Sakramente hinaus, deren Verwaltung die
Kirche dann vollends allmächtig gemacht haben würde. Allein

mBnurckhardt, Geschichte der Renaissance 2,101-42