Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel.
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aber waren
diese Geleise noch nicht so eingefahren, als daß nicht die unteren
Klassen gelegentlich noch an Selbsthilfe gedacht hätten. Und
da jedes Vorgehen gegen die Vroedschappen bei den bestehenden
politischen Zusammenhängen sofort auch die Provinzialstaaten
ind durch diese hindurch in den Generalstaaten die Republik
traf, so wurden ihre Bestrebungen von größter Bedeutung für
das Schicksal des Volkes und die Entwicklung der langsam
zationale Prägung erhaltenden holländischen Kultur überhaupt.

Nun war es aber das Besondere dieser Entwicklung des
sozialpolitischen Gegensatzes zwischen Gemeinden und Vroed⸗
schappen, daß sie fich nicht in nacktester und ureigenster Ge⸗
stalt vollzog, als sie nach dem Abschlusse des großen Krieges
hervorbrach, der alle Volkskräfte bis zum Jahre 1609 zusammen⸗
gehalten hatte, sondern vielmehr in fast übermächtiger Weise
verquickt mit kirchlichen und religiösen Vorgängen; wie sie denn
schon in ihren ersten Anfängen, unter Leicester, mit kirchlichen
Ereignissen in Beziehung getreten war.

Im Jahre 1618 hat der holländische Ratspensionär Olden⸗
harneveld dem englischen Gesandten versichert, daß die Katholiken
noch immer bei weitem die Mehrheit der Bevölkerung aus—
machten. Trotzdem waren sie ohne Einfluß und nur geduldet.
Die entscheidende Konfession war die calvinische. Zwar war
der Calvinismus nirgends eigentlich zur Staatskirche erklärt
worden, aber er nahm doch eine verwandte Stellung ein, in⸗
sofern alle lebendigeren Bestandteile der niederen Volksschichten
ihm fast durchweg ebenso angehörten wie die Vroedschappen:
die vorwärtsführenden und vorwärtsdrängenden Schichten der

Bevölkerung waren reformiert.

Was bedeutete nun diese für beide Teile gemeinsame
religiöse Basis?

Der Haß der Lutherischen gegen die Reformierten seit
mindestens der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist oft be⸗
hont worden; er konnte so weit gehen, daß im Jahre 1597