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Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel.
Utrecht, Alkmaar, Leeuwarden, schon gesiegt hatten, berechtigt,
den holländischen Staaten im Januar 1610 ihre Sonder⸗
ansichten in einer Remonstranz von fünf Artikeln zu ausdrück—
licher Billigung vorzulegen. Allein kaum hatten die Staaten
ihnen gegenüber das tolerari posse ausgesprochen, so vereinigten
sich die Altcalvinisten zur Einreichung einer energischen Kontra—
remonstranz (März 1611), die darauf hinauslief, daß sie die
Remonstranten nicht in der Kirche dulden wollten. Da blieb
nun nichts mehr übrig, als von Staats wegen Verfolgungen gegen
die Altcalvinisten einzuleiten.

Was war damit geschehen? In dogmatischen Fragen
hatten zwei kirchliche Parteien auf das Urteil eines provinzialen
Staatswesens provoziert, und dieses hatte die Provokation an—
genommen. Und es waren zwei kirchliche Parteien, die sich in
vielen Dingen, sei es ausdrücklich, sei es den zugrunde liegen—
den Tendenzen nach, mit zwei gesellschaftlichen Schichten deckten,
mit den Vroedschappen vornehmlich Hollands einerseits und
anderseits mit den politischer Rechte darbenden Gemeinden.
Die Gefahr, daß die dogmatischen Gegensätze in längst drohende
politische ausmündeten, konnte unter diesen Umständen nicht mehr
vermieden werden.

Im Haag, dem Sitze der holländischen Staaten, waren
die demokratischen Kontraremonstranten von den remonstran—
tischen Vroedschappen natürlich besonders schlecht behandelt
worden. Sie konnten für sich sogar keine Kirche mehr am
Orte finden; in Wind und Wetter mußten sie nach der benach—
barten Rijswijker Dorfkirche zum Gottesdienst wandern; und
spottend lohnte die Gegenpartei ihre Aufopferung mit dem
Namen der Dreckgeusen. Wer beschreibt nun, welches Auf—⸗
sehen es unter diesen Umständen machte, als der Prinz Moriz
von Oranien sich, nach vergeblichen Versuchen, eine Aussöhnung
des dogmatischen Streites vor der kirchlichen Instanz einer
Synode herbeizuführen, diesen Leuten zuwandte, ihnen im Haag
ein Gotteshaus verschaffte und seit dem 23. Juli 1617 jeden
Sonntag feierlich zu diesem seinen Kirchgang nahm! Moriz,
ein rosiger, blonder Herr, der als gewiegter Tänzer auf Kir—