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Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel.
der sozialen Struktur überhaupt. Wohin wir sehen, verfallen
die wirtschaftlich-sozialen Körperschaften des Mittelalters grobem
Mißbrauch ihrer nach selbständigerer Lebensführung strebenden
Genossen: schlechtem und unsicherem Verdienst der Schwächeren
und kapitalistischer Ausbeutung seitens der Sieger. Und selbst
da, wo sich die alten Formen nicht ohne weiteres beseitigen und
umbilden ließen, weil sie seit unzähligen Menschenaltern be—
standen und mit der Macht des Hergekommenen wirkten, suchte
man wenigstens theoretisch ihre Bedeutung abzuschwächen und
alle praktischen Vorteile gegen sie zu kehren; so hat die Juris—
prudenz schon des 16. Jahrhunderts und noch mehr des 17.
und 18. Jahrhunderts die Markgenossenschaften behandelt, so
auch späterhin die Zünfte und jede sonstige Art genossenschaft—
licher Bildung nach deutschem Recht, welche der emportauchenden
Staatsomnipotenz, dem treuen Gegenbild der Souveränität des
Individuums, entgegenstand.

2. Überschaut man das Gesamtgebiet der gesellschaftlichen
Bewegung im inneren Deutschland während des 16. und teil—⸗
weis 17. Jahrhunderts, so wird man immerhin, trotz mancher
zurückhaltender Kräfte, noch von einem der geistigen Bewegung
günstigen Fortschritte sprechen können, wenn auch die in dieser
Richtung recht eigentlich und von Grund aus führenden Ele—
mente, die bürgerlichen, immer mehr zurücktreten.

Ganz anders nimmt sich diesem nicht ungetrübten Bilde
gegenüber die nordniederländische Bewegung aus. Hier sind es
gerade die bürgerlichen Elemente, die siegen: voll gelangt
die innerdeutsche bürgerliche Bewegung des 15. und teilweis
16. Jahrhunderts zum Ausleben, wenn auch in etwas ver—
ändertem Charakter und mit glänzendem, dann aber um so
rascherem Erblühen erst nach der Mitte des 16. Jahr-—
hunderts.

Es bedarf dabei an dieser Stelle nicht mehr der Schilderung
der niederländischen Entwicklung im einzelnen, insofern sie den
binnendeutschen Vorgängen analog ist; die sozialen Grundlagen