Siebzehntes Buch. Erstes Kapitel.
hunderts schwerer Angriffe von seiten Frankreichs und Englands
von Jahr zu Jahr gewisser werden.

England war dem Dreißigjährigen Kriege ferngeblieben;
innere Zwiste hatten es verzehrt. Aber aus ihnen tauchte die
Republik Cromwells empor, die sich alsbald der vernachlässigten
wirtschaftlichen Interessen der Nation annahm. Dabei mußten
sich ihre Blicke dem Meere zu richten. Die royalistischen Frei—
beuter zur See zwangen zum Flottenbau; die holländische
Handelsübermacht führte zur Navigationsakte, dem Verbot für
die Schiffe europäischer Länder, andere als die Erzeugnisse des
eigenen Landes in England einzuführen (1661). Es war eine
wirtschaftliche Kriegserklärung an die Niederlande, und so ward
sie von diesen verstanden. Aber vergebens versuchten die nieder—
ländischen Admirale und Staatsmänner, in dem nunmehr aus—
hrechenden offenen Kampfe das Interesse ihres Landes zu wahren;
die englische Marine wuchs trotz aller Verluste, die ihr Tromp
zufügte, bald auf fast anderthalb Hundert Schiffe an, und in
dem Frieden, den Jan de Witt 1654 bei England nachsuchen
mußte, blieb die Navigationsakte erhalten, um bald darauf,
1661, durch König Karl II. noch verschärft zu werden. Und
auch ein zweiter Krieg (1665— 1667) brachte keine Er—
leichterung; in dem Frieden von Breda wurde die Navigations-
akte nicht aufgehoben, nur einige günstigere Stipulationen über
Konterbande wurden getroffen; auch sollten alle deutschen, den
Rhein herabkommenden Waren als niederländische gerechnet,
mithin ihre Einführung auf niederländischen Schiffen zugelassen
werden.
Inzwischen aber war es in den Niederlanden selbst aus den
Tiefen der bestehenden sozialen, religiösen und politischen
Gegensätze her zu schweren Krisen gekommen. Nach dem Tode
des Oraniers Wilhelm II. (1650) war Jan de Witt, der
Führer der aristokratischen Loevesteinschen Partei, Ratspensionär
bon Holland und damit Leiter der inneren und äußeren Politik
der Republik geworden; es war ein Sieg der Handels—
geschlechter über die Schichten der Landbevölkerung, des Klein—
bürgertums, der Geistlichkeit, auch über das an den Oraniern